Guten Tag liebe Leserin,
guten Tag lieber Leser
Können SIE wirklich? Sind Sie bereit (und fähig) zur Veränderung?

Veränderung ist in meinem Verständnis etwas komplett anderes als der undefinedvielerorts beschworene „Wechsel“. Um Bereitschaft für einen Wechsel (von Marken, von Überzeugungen, von Regierungen, von ...) aufzubringen, bedarf es keines wirklichen Einschnitts in die eigene alltägliche Lebenspraxis. Wir müssen nicht den magischen Kreis, den wir um uns herum errichtet und in dem wir es uns eingerichtet haben, durchbrechen. Selbst wenn er tatsächlich stattfindet (der Wechsel), und nicht nur – wie bisher – darüber gesprochen und philosophiert wird.
Ich bin überzeugt davon, dass es mit einem Wechsel von Überzeugungen (oder Regierungen) nicht getan sein wird. Es geht ans „Eingemachte“. Ihre Offenheit und Ihre Veränderungskompetenz sind gefragt.
Wie steht es damit?
Sind Sie bereit zu einem Experiment?
Ich kann Ihnen versprechen, dass Sie in ein paar Minuten präzise wissen, wovon ich rede und wie es mit Ihnen diesbezüglich steht. Es gibt kein Ausweichen und kein Taktieren, wenn Sie jetzt weiter lesen. Also überlegen Sie es sich.
Ich überlasse Sie einem Experiment des Dr. Wolf W. Lasko aus seinem unveröffentlichten Manuskript „Keine Panik“ (meine Meinung: der Titel ist ein Euphemismus)!
*** Das Experiment ***
„Stellen Sie sich vor, in diesem Moment wird genau da, wo Sie jetzt sitzen oder stehen, ein Kreis um Sie herum gezeichnet, begrenzt von einer unsichtbaren roten Linie. Schauen Sie genau hin! Es ist eine magische Linie, die Sie nicht überschreiten können, die Sie gefangen hält in diesem Kreis, im Kreis Ihrer Gewohnheiten. Alles, was innerhalb des Kreises der Gewohnheiten liegt, ist Ihnen bekannt und vertraut; hier fühlen Sie sich sicher. Leider ist das auch der einzige Vorteil Ihrer Gefangenschaft. Denn im Kreis der Gewohnheiten gibt es kein Lernen, keine Entwicklung, keine Lebendigkeit. Doch jenseits der roten Linie liegt aufregendes Neuland. Hier warten neue Erfahrungen und Erkenntnisse darauf, entdeckt zu werden. Hier finden Sie faszinierende Herausforderungen, die Sie annehmen sollten, wenn Sie vom Leben mehr erwarten als Stagnation.
Nun, niemand hindert Sie daran, diese magische rote Linie zu überschreiten. Es gibt keine bösen Hexenmeister und keine fauchenden Ungeheuer, die sich Ihnen in den Weg stellen. Wollen Sie den Schritt über die rote Linie wagen, gibt es kein anderes Hindernis als die selbst konstruierten Ängste, die es nun zu überwinden gilt.
Starten wir mit einem Experiment, das wohl all jene erschaudern lässt, die für den Genuss der angeblichen Sicherheit alles gäben. Es ist ein Appell an Ihre Kreativität und Intelligenz, vielleicht aber schon der erste Schritt zu einem Blackout.
Alles in allem geht es bei diesem Experiment um ein Abenteuer der besonderen Art. Das Motto heißt: Hauptsache, völlig daneben! Sie sollen etwas tun, was Ihre Norm sprengt, was nicht zu Ihrer Rolle passt, was Sie eigentlich nie tun würden. Irgendetwas, was niemand von Ihnen erwartet. Und um die Spannung zu steigern, tun Sie es am besten im Beisein anderer.
Hier geht es weder um ein Verhaltenstraining mit dem Ziel, besser zu werden, noch um eine Wertung Ihres Tuns. Der Sinn dieser Übung liegt einzig darin, die eigenen Verhaltensmuster kennen zu lernen. Wie reagieren Verstand und Körper, wenn Sie auf Neuland stoßen? Welche Gefühle werden dabei ausgelöst? Was passiert, während Sie den Schritt über die rote Linie wagen? Und was passiert, nachdem Sie es getan haben?
Ein paar Punkte sind beim Überschreiten der roten Linie zu beachten:
* Das, was Sie tun wollen, können Sie frei wählen.
* Die Dauer der Grenzüberschreitung ist an keine Zeit gebunden.
* Es gibt keine Einschränkung.
* Sie sollen es hier und jetzt tun.
* Sie sind der einzige Akteur, verzichten Sie auf die Unterstützung anderer.
* Egal was Sie tun, tun Sie es nicht auf Kosten anderer Menschen oder irgendwelcher Gegenstände. Also ziehen Sie Ihrem Chef nicht die Ohren lang - das ist hier nicht gemeint.
* Tun Sie nichts, wobei Sie sich verletzen könnten.
Ich nehme an, Ihr Verstand arbeitet jetzt fleißig und sucht nach geistreichen Einfällen. Aber er bekommt keine Informationen, er zieht eine Leerschleife. Nun versucht er herauszufinden, ob eine solche Situation in der Vergangenheit schon einmal da gewesen ist, ob es etwas Vergleichbares gibt, um dann ein vertrautes Verhaltensmuster wiederholen zu können. Doch auch das führt meist zu keiner Lösung, denn es gibt bisher nichts Vergleichbares. Der Verstand signalisiert: Gefahr in Verzug! Und sofort reagiert Ihr Körper. Kleine Adrenalinstöße setzen alle Stressreaktionen in Gang. Sie sind erregt, stehen unter Spannung. Spannung kann ein fantastisches Gefühl sein: Sie mahnt zur Vorsicht, verhilft zur erforderlichen Wachsamkeit und Aufmerksamkeit. Doch mit zunehmender Spannung kommt eine gewisse Unsicherheit auf, vielleicht begleitet von hektischen roten Flecken oder vor Aufregung feuchten Händen. Die krampfhafte Suche nach etwas Vernünftigem geht weiter.
Irgendetwas müsste doch da sein! Ihr Verstand ergeht sich in paranoiden Hochrechnungen. Mit missionarischem Eifer zeigt er auf, was alles Schlimmes passieren, was schief gehen könnte. Und wie denken die anderen darüber? Werden sie lachen?
Fazit: Was immer Sie auch tun werden, Sie können sich nur blamieren. Doch auf einmal kommen Ihnen brillante Ideen und völlig neue Vorstellungen in den Sinn. Sie werden ungeheuer kreativ. (...)
Vielleicht gewinnt irgendwann der Gedanke überhand, dass Sie natürlich mit Leichtigkeit irgendetwas in die Tat umsetzen könnten, nur haben Sie im Moment einfach keine Lust dazu. Dann gelangen Sie langsam zu der Ansicht, dass dieses Experiment eigentlich gar nicht intelligent ist, sondern sogar ziemlich dumm. Und außerdem: Dieser doofe Autor kann mir doch nicht sagen, was ich zu tun habe. Ich lese einfach weiter.
Genau!
Einfach nicht handeln,
sondern weiter lesen.
Ich weiß nicht, wie Sie mit diesem Unterfangen umgegangen sind. Wollten Sie vielleicht etwas tun und haben es doch nicht ausgeführt? Dann brauchen Sie jetzt ein Ventil, um sich abzureagieren, denn die Anspannung, der Stress ist noch nicht abgebaut. Sie können nun sauer werden und die aufsteigende Wut über Ihr Nichthandeln auf irgendjemanden projizieren. Sie können mit anderen über irgendetwas Belangloses reden. Sie können auch über die Menschen lachen, die solch ein Experiment wirklich durchführen.
Hier eine intelligente Oberlehrerfrage: Was hat das Spiel mit dem realen Leben zu tun? Nun, wenn Sie die rote Linie tatsächlich überschreiten wollen, um an Ihr Ziel zu gelangen, werden Sie bestimmt eine weitaus größere Herausforderung spüren. Besonders dann, wenn Sie wissen, dass andere Menschen Ihre ungewöhnlichen Handlungen bemerken werden.
Dann stehen Sie vor Ihrer roten Linie, noch geschützt im Kreis der Gewohnheiten und schauen auf die außerhalb liegenden Ziele, die für Sie wichtig sind. Und während Sie über die notwendigen Handlungen nachdenken, werden Sie wie in der Übung Erregung und Spannung spüren. Denn dann, wenn Ihnen etwas unbekannt ist, wenn Sie vor Neuland stehen, versetzt der Körper Sie in die Lage, sehr präsent, sehr wach zu sein, um auf das reagieren zu können, was auf Sie zukommt. Adrenalinstöße bereiten den ganzen Körper auf eine mögliche Aktion vor. Aber nicht das Ereignis an sich produziert die Adrenalinstöße. Auslöser sind vielmehr Ihre Gedanken über das, was Sie tun wollen, und über das mögliche Ergebnis.
Wenn Sie die rote Linie dann aber überschritten haben, werden Sie vielleicht sagen: Hey, das war super! Und Sie werden feststellen, dass Sie sich gelöst und entspannt fühlen. Die aufgebaute Spannung ist während des Handelns verschwunden, der Stress ist abgebaut.“
Wie ist es Ihnen ergangen, liebe Leserin und lieber Leser? Haben Sie nur gelesen oder konnten Sie sich auf die Herausforderung einlassen?
Mich befällt vor jeder wirklich neuen Situation, vor jedem ersten Mal reine Panik, und es spielt für mich keine Rolle, wie häufig ich diesen ersten Schritt in der Vergangenheit gewagt habe. Der Unterschied liegt für mich allein darin, dass ich mich inzwischen einigermaßen an die Panikattacke gewöhnt habe und mich davon nicht abhalten lasse. Vielleicht weil da ein Vertrauen gewachsen und das Gefühl des ersten Mals im wahrsten Sinne „einzigartig“ und erfüllend ist. Mir hilft die Erinnerung an die Hochstimmung, um für „die ersten 30 cm“ gerüstet zu sein.
Meine These:
Veränderung kann man sich nicht vornehmen und nicht einklagen. Man kann sich nur auf das Leben und seine Herausforderungen einlassen. Daher vielleicht so:
Veränderung g e s c h i e h t wenn man sie zulassen kann!
Das ist nicht voraussetzungslos – aber das ist ein ganz anderes Thema!
Ich bin genauso gespannt auf Ihre Rückmeldung wie die anderen aus unserer Community.
Lassen Sie uns an Ihren Erfahrungen teilhaben.
Ihr
Joachim Kamphausen