Tageslosung:
Heile Deinen Körper A-Z
„Im Leben hängt alles mit allem zusammen. Alle Menschen sind in ein Netz der Gegenseitigkeit verwoben. Wir sind gekleidet in ein Gewand der gemeinsamen Zukunft. Was auch immer einen direkt betrifft, betrifft indirekt alle…“

Dies sagte, schon 1967 und seiner Zeit weit voraus, Martin Luther King jr. Heute, 42 Jahre später, scheint diese Erkenntnis immer mehr Raum zu gewinnen. Es scheint, als würde mehr und mehr ein Feld entstehen, in dem das Verhältnis von Individuum und Kollektiv untersucht, erforscht und - mit neuen Möglichkeiten versehen – bereits gelebt wird.
Neue Wege der Verbundenheit öffnen sich, gegründet auf alte Vorstellungen wie die von Indras Netz, einem wundervollen Symbol des Aufeinander-Bezogenseins aller Wesen, allen Seins. Neue Wege der Kommunikation, des Dialogs ergeben sich, ebenso wie neue Formen der Gemeinschaft ausprobiert werden.

Wir leben in spannenden Zeiten und unsere Handlungen werden in unsere Zukunft hineinreichen. Werden wir ein neues WIR-Gefühl entwickeln können, welches jede Exklusivität fallen lassen kann? Werden wir eine neue WIR-klichkeit entdecken? Eine Wirklichkeit, die über die Grenzen unseres Egos hinausgeht, uns miteinander verbindet und allem Lebendigen auf dieser Erde eine Zukunft schenkt?

Was ist für Euch dieses WIR? Wie kann es Eurer Meinung nach gedacht, gefühlt und gelebt werden? Mit welchen Werten kann dieses WIR gefüllt werden? Wo ist es schon sichtbar? Wo sollte es sichtbarer werden?

Tags: Gemeinschaft, Gesellschaft, Verbindung, Verbundenheit, Wir

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Hallo Dirk,

ein wunderbares Thema.....wenn nicht das Zentrale.
Mich berührt es zutiefst, sowohl das Erleben von echter Gemeinschaft, einem authentischen Wir-Gefühl als auch das Erleben dessen, was dem immer wieder im Wege steht.
Wo findet es statt??? Vielfach im Privaten, in Lebensgemeinschaften, Familien, im öffentlichen Raum eher weniger bis gar nicht.
Die bei uns vorherrschende Ellenbogen-Mentalität sagt allzu häufig "Lass Dir nichts anmerken"....."Mit Authentizität, Offenheit, Ehrlichkeit kommst Du nicht weit"...so scheint es mir.
Ist das so? Nein, nur ist der Weg beschwerlicher, wenn ich mich verletzbar zeige, mich öffne. Konflikte finden eher statt als wenn ich Sie mit Anpassung umschiffe. Aber Sie stellen auch die Chance zur Nähe her, da ich mir (und damit auch anderen) nahe komme. Erst das Aushalten und Loslösen von den Konflikten, ohne auf Positionen zu verharren, lässt Gemeinschaft entstehen....etwas, das dahinter, hinter allen Meinungen und Urteilen, verborgen liegt und darauf wartet, heraustreten zu dürfen.

Gerade ist in Deutschland eine Bewegung zu beobachten, die in den USA seit Mitte der 90er eher abgeebbt ist:
Die Gemeinschaftsbildung nach M. Scott Peck. Seit ein paar Jahren finden in Deutschland gemeinschaftsbildende Seminare statt, die auf sehr intensive Weise deutlich machen, was es für echte Gemeinschaft (mit wem auch immer) braucht und was dem konkret im Wege steht. Sehr anschaulich nachzulesen auf der Website www.gemeinschaftsbildung.com oder in dem Buch "A Different Drum" - die 2007 erschienene deutsche Übersetzung "Gemeinschaftsbildung, Der Weg zu authentischer Gemeinschaft" von Scott Peck, der leider Ende 2005 verstarb.

Vieles von dem, was wir für Gemeinschaft halten, ist gar keine, Scott Peck spricht von der esten Phase "Pseudogemeinschaft". Darauf folgen im weiteren Verlauf des Prozesses "Chaos", "Leere", und schlussendlich "Authentizität".
Erst das tiefe Eintauchen sowohl in das eigene als auch das kollektive Bewusstsein lässt sie wirklich entstehen. Ohne Führung, ohne Leitung, aus sich heraus - "a group of all leaders".

Danke Dir und viele Grüße!!!
"...Was ist für Euch dieses WIR?..."

Das "Wir" ist nur ein einziges "Ich", das sich in mannigfaltigen Formen manifestiert und sich selbst entfremdet hat.

"...Wie kann es Eurer Meinung nach gedacht, gefühlt und gelebt werden?..."

Auf authentische Weise zur Zeit überhaupt nicht. Ich halte das für eine Illusion und theoretische Kopfgeburt von Therapeuten.

"... Mit welchen Werten kann dieses WIR gefüllt werden? Wo ist es schon sichtbar?..."

Im Wir -Gefühl von Nationen am deutlichsten, in fahnenschwenkenden Deutschen, die sich allen Ernstes mit ihrer Fußballmannschaft identifizieren. Bei Demonstrationen und Tumulten. Im Nationalsozialismus war es sichtbar. In Vereinen und kirchlichen oder politischen Organisationen.
Dieses Wir- Gefühl benötigt im egoistischen Bewusstseinszustand ein Ziel oder eine Doktrin, in der man sich einig ist, etwas, womit sich alle identifizieren können, aber auch immer einen Gegner oder sogar Feind mit einem abweichenden Ziel, gegen den man zusammensteht. Auch der ist für das Gefühl des "Wir" wichtig. Wir leben nun einmal in der Dualität.

Sichtbar ist es auch im Massengemüt, das sich meistens in Überzeugungen einig ist, die wohl zweifelhafte Auswirkungen haben.

Es kann mit allen Werten gefüllt werden, mit denen sich eine Gruppe ausreichend identifizieren kann.
Werte, wie Einander- sein- lassen, Teilen, Authenzität, Spiritualität, oder innerer Friede wären sehr wünschenswert, aber realistisch gesehen wohl wenig zur Wir- Bildung geeignet, da der Identifikationsfaktor hier eher gering wäre. Geeigneter wäre da schon die Einigkeit in einer bestimmten Glaubensrichtung bzw. einem Glaubenssystem oder in der Anhängerschaft an einen bestimmten Guru oder Führer.

Werte und ideale sind Verstandeskonzepte und wohl letztlich immer eine Illusion, die in der Praxis dann nicht den ursprünglich guten Absichten dahinter gerecht wird

"...Wo sollte es sichtbarer werden?..."

Meines Erachtens ist dies nur in kleineren Gemeinschaften wünschenswert, die für ein bestimmtes Projekt zeitlich begrenzt zusammen kommen, und anschließend wieder auseinandergehen.

Lebensgemeinschaften funktionieren meines Erachtens nur, wenn das "Wir" nicht überhand nimmt und dem Einzelnen, dem "Ich" genügend Freiraum lässt.

Einen Touch von Ganzheit im Wir- Gefühl von Gemeinschaften zu suchen halte ich für völlig verfehlt.
Nicht umsonst zogen sich alle Weisen für das Ganzheitserlebnis in die Einsamkeit zurück.

Ist das Ego erst überwunden, stellen sich diese Fragen wohl nicht mehr. Dann sind alle als Eins verbunden, und Regelungen werden überflüssig.

LG
sirajan
Ich möchte gern den Ansatz der Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck kurz skizzieren, da er sehr eindringlich die wiederkehrenden Dynamiken beschreibt:

Die 4 Phasen der Gemeinschaftsbildung
aus dem Buch Eine neue Ethik für die Welt. Grundwerte für eine menschlichere Gesellschaft. von Scott Peck (Goldmann Wilhelm GmbH, 1995)

„Das verbreitetste Anfangsstadium und einzige Stadium vieler Gemeinschaften, Gruppen und Organisationen ist das der Pseudogemeinschaft, ein Stadium der Vortäuschung und des Scheins. Die Gruppe tut so, als sei sie bereits eine Gemeinschaft, als gäbe es unter den Gruppenmitgliedern nur oberflächliche, individuelle Differenzen und kein Grund für Konflikte. Zur Aufrechterhaltung dieser Vortäuschung bedient man sich vor allem einer Anzahl unausgesprochener allgemeingültiger Verhaltensregeln, Manieren genannt: Wir sollen unser Bestes tun, um nichts zu sagen, was einen anderen Menschen verstören oder anfeinden könnte; wenn jemand anderes etwas sagt, das uns beleidigt oder schmerzliche Gefühle oder Erinnerungen in uns weckt, dann sollen wir so tun, als mache es uns nicht das geringste aus; und wenn Meinungsverschiedenheiten oder andere unangenehme Dinge auftauchen, dann sollten wir sofort das Thema wechseln. Jede gute Gastgeberin kennt diese Regeln. Sie mögen den reibungslosen Ablauf einer Dinnerparty ermöglichen, aber mehr auch nicht. Die Kommunikation in der Pseudogemeinschaft läuft über Verallgemeinerungen ab. Sie ist höflich, unauthentisch, langweilig, steril und unproduktiv.
Mit der Zeit können dann allmählich tiefgehende individuelle Differenzen auftreten, und die Gruppe begibt sich ins Stadium des Chaos und zerstört sich nicht selten selbst. Bei der Pseudogemeinschaft geht es um das Kaschieren von individuellen Differenzen. Im Stadium des Chaos geht es vorrangig um den Versuch, diese Differenzen auszulöschen. Das geschieht darüber, dass Gruppenmitglieder versuchen, einander zu bekehren, zu heilen, auszuschalten oder ansonsten für vereinfachte organisatorische Regeln einzutreten. Es ist ein ärgerlicher und irritierender, gedankenloser, maschinengewehrmäßiger und oft lärmender Prozess, bei dem es nur um Sieger und Verlierer geht und der zu nichts führt. Wenn die Gruppe diese unerfreuliche Situation durchstehen kann, ohne sich selbst zu zerstören oder in die Pseudogemeinschaft zurückzufallen, dann tritt sie allmählich in die „Leere” ein. Dies ist ein Stadium sehr, sehr harter Arbeit, eine Zeit, in der die Mitglieder daran arbeiten, alles beiseite zu räumen, was zwischen ihnen und der Gemeinschaft steht. Und das ist eine Menge. Vieles von dem, was mit Integrität aufgegeben und geopfert werden muss, sind universell menschliche Eigenschaften: Vorurteile, vorschnelle Urteile, starre Erwartungen, der Wunsch zu bekehren, zu heilen oder auszuschalten, der Drang zu siegen, die Angst, sich zum Narren zu machen, das Bedürfnis, die Kontrolle über alles zu haben. Andere Dinge mögen ausgesprochen persönlicher Art sein: ein verborgener Kummer, Abscheu oder tiefe Angst vor etwas, die öffentlich eingestanden werden müssen, bevor das Individuum für die Gruppe völlig „präsent” sein kann. Es ist eine Zeit, die Risikobereitschaft und Mut verlangt, und wenn man sich auch oft erleichtert fühlt, so fühlt man sich doch oft auch sterbenselend.
Der Übergang von Chaos zur Leere läuft selten dramatisch ab und dauert häufig qualvoll lange. Ein oder zwei Gruppenmitglieder gehen vielleicht das Risiko ein, ihre Seele bloßzulegen, nur um zu erleben, dass ein anderes, das den Schmerz nicht ertragen kann, plötzlich das Thema zu irgendetwas völlig Unsinnigem wechselt. Die Gruppe als Ganzes ist noch nicht offen genug, um wirklich zuzuhören. Sie fällt in das zeitweilige Chaos zurück. Schließlich aber wird sie doch so leer, dass eine Art Wunder geschehen kann.
An diesem Punkt spricht ein Mitglied sehr präzise und authentisch etwas an. Die Gruppe scheut nicht davor zurück, sondern sitzt schweigend da und nimmt alles in sich auf. Dann sagt ein zweites Mitglied ganz ruhig etwas ebenso Authentisches. Es handelt sich vielleicht nicht einmal um eine Antwort auf das erste Mitglied, aber man hat auch nicht das Gefühl, es ist ignoriert worden. Vielmehr herrscht eher die Empfindung vor, das zweite Mitglied sei vorgetreten und habe sich neben dem ersten auf den Altar gelegt. Wieder kehrt Stille ein, aus der heraus sich ein drittes Mitglied ebenso präzise und eloquent äußert. Die Gemeinschaft ist geboren. Der Wechsel zur Gemeinschaft tritt oft sehr plötzlich und dramatisch ein. Die Veränderung ist deutlich zu spüren. Ein Geist des Friedens durchdrängt den ganzen Raum. Es herrscht mehr Schweigen, doch es wird Bedeutungsvolleres gesagt. Es ist wie Musik. Die Menschen arbeiten mit einem präzisen Zeitgefühl zusammen, so als seien sie ein fein eingestimmtes Orchester unter der Leitung eines unsichtbaren himmlischen Dirigenten. Viele spüren tatsächlich die Anwesenheit Gottes im Raum. Handelt es sich um eine Gruppe vormaliger Fremder, die sich in einem öffentlichen Workshop versammelt haben, dann kann man eigentlich nichts weiter tun, als sich an diesem Geschenk freuen. Handelt es sich aber um eine Organisation, dann ist die Gemeinschaft nun bereit, sich oft mit phänomenaler Leistungsfähigkeit und Effektivität an die Arbeit zu machen, also Entscheidungen zu treffen, zu planen, zu verhandeln und so weiter.”

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