Tageslosung:
Heile Deinen Körper A-Z

"Erwacht oder nicht?" Das ist hier die Frage - und: was hilft wirklich, um den Prozess des Erwachens zu fördern?

Hallo,

mir geht es sicherlich wie vielen von Euch!
Mein Anliegen ist es, zu hinterfragen, inwieweit bestimmte Hilfsmittel/ Methoden eines spirituellen Lehrers tatsächlich dem Zweck der Bewusstwerdung/des Wachstums hin zum Erwachen dienen (was auch immer das genau heissen mag, nur weil jemand von „erwacht sein“ spricht, heisst das erstmal noch gar nichts…).
Ausserdem frage ich mich bei der relativ großen Anzahl derer, die mehr oder weniger laut ihr „erwacht sein“ verkünden, inwieweit diese Verkündung der Wahrheit entspricht.
Dies unabhängig davon, ob ein möglicherweise nur „Scheinerwachter“ selbst von seinem/ ihrem „Erwachtsein“ überzeugt ist oder bewusst andere Menschen täuschen möchte.
Der „spirituelle Jahrmarkt“ (Jed McKenna) ist riesig, unübersichtlich, bunt und anziehend für menschliche Egos verschiedenster Couleur, und daß es sich beim spirituellen Ego um eine sehr gewiefte Form des alten Gesellen Ego handelt, dürften die meisten spirituell Interessierten schon einmal gehört oder am eigenen Leib erfahren haben.
So kann ich mir sehr gut vorstellen, dass doch relativ viele der sich selbst für „erwacht“ haltenden Menschen einer sehr mächtigen Form des spirituellen Egos aufsitzen, was sie möglicherweise für andere spirituelle Egos erst recht anziehend macht (es gibt im Rahmen der Illusion sicherlich sehr viele äußerst unterschiedliche Zustände, denen aber allen gemein ist, dass sie nichts mit „wirklichem Erwachtsein“ zu tun haben, d.h. sie gehören alle zum Reich der Träume).
Gleichzeitig scheint es mir, dass in vielen spirituellen Gemeinschaften die Menschen zwar beim Sitzen und Praktizieren in der Nähe des „Erwachten“ sicher wunderbare energetische Wohlfühlerlebnisse haben, einschließlich des Gefühles, alle Anwesenden und die ganze Existenz zu lieben, um gleich danach jedoch, bereits beim Verlassen des Raumes wieder ins alte Ego-Ellenbogen-Gebaren zurückzufallen.
Wo also erfolgt hier die Transformation?
Ich glaube, wirkliche Wachstumsschritte bedürfen meist einer ernsthaften und oft auch ziemlich schmerzhaften Auseinandersetzung mit dem eigenen Ego, ein Hinschauen in dunkle Ecken, in die niemand schauen möchte, aus Angst, was er/sie da (im wahrsten Wortsinn) ans Licht befördern mag.
Das Ego (so unwirklich es letztlich auch ist) hat über die meisten Menschen eine solche Macht, dass es sicher nur sehr selten unter Zuhilfenahme schöner Vorträge, gemeinsamen Chantens, Meditierens, Diskutierens, Praktizierens oder was auch immer die Segel streichen wird.
Im Gegenteil, oft tragen solche Praktiken meiner Erfahrung nach eher zu einer subtilen Verstärkung des illusionären Verstandesgefängnisses bei, da man sich auf dem „richtigen“ Pfad wähnt und die „angenehmen“ Zustände als auch das theoretische Drumherum als besonders tragfähige Säulen des Ego-Gebäudes mit einbaut.
Die alten Zen-Meister dagegen waren bekannt für ihre zum Teil brachialen Methoden, aber auch für eine hohe Anzahl von Schülern, die in ihrer Gegenwart erwachten:
„Mehr als jeder andere Zen-Meister nach Hui-neng trug Ma-tsu zur Ausformung der typisch chin. Zen bei. Er griff zu Hilfsmitteln der Schulung wie dem plötzlichen Schrei (chin. Ho!), wortlosen Gesten etwa mit dem Fliegenwedel und überraschenden Stockschlägen. Er stieß seine Schüler zu Boden, kniff sie in die Nase, schleuderte ihnen plötzliche Fragen und paradoxe Antworten entgegen, um sie aus der Routine des Jedermanns-Bewußtseins aufzurütteln, sie aus den eingefahrenen Bahnen des begrifflichen Denkens zu befreien und ihnen zu ermöglichen, in einem durch einen Schock ausgelösten plötzlichen Zusammenbruch des bisherigen Denkens und Fühlens zur Erfahrung der Erleuchtung zu kommen.“
So plädiere ich für eine wesentlich kritischere Auseinandersetzung mit den vielen selbsternannten „Erwachten“ und deren Methoden.

Herzliche Grüsse, Ralf

Tags: ego, erwacht, mckenna, wahrheit

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Antworten auf diese Diskussion

Hallo Ralf

Erwachtheit und Erleuchtung sind sehr große Gedankenwolken.
Meistens ist es gut den Druck, das Wollen, herauszunehmen und die Suche nach Erlösung zu entschleunigen.
Vom Komplizierten zum Einfachen. Das Leben darf leicht sein.
Es ist ferner hilfreich den Fokus auf die Übung der Presenz zu richten. Lücken und Pausen sind Tore dorthin.

Manchmal ist es mir möglich den Moment zwischen actio und reactio zu halten, auszudehnen oder die Welt sozusagen anzuhalten.
Da gibt es diesen " Zustand " der Offenheit, wo noch alle Möglichkeiten optional sind.
Konkret hilft mir dieser Null-Punkt immer wenn ich sehr vertieft Arbeite und plötzlich abgelenkt werde oder eine neue Aufgabe hinzukommt. ( zB.Telefon, Kollege erbittet Hilfe, Schwierigkeiten bei der Arbeit treten auf.) Also der Moment wo man gern mit Ablehnung oder Ärger reagiert
In diesem "offenen Raum" ist es möglich die konditionierten Widerstände an sich vorbeigehen zu lassen, es ist möglich ein gegründetes, bewusstes ja oder nein zu vermitteln, es ist möglich mit Menschen wiklich in Kontakt zu gehen. So macht arbeiten spass, weil Liebe und Empathie ins Spiel kommen. Wie schon erwähnt manchmal klappts und das ist dann schön.

Liebe Grüße, Andreas

Hier noch das Motto des Alltages: Das Alltägliche ist der Brennstoff auf dem Weg zur Verwirklichung
deines vollen Potenzials.
Jep, da spricht mir einer aus der Seele, ich frag mich auch oft, "wie bitte, schon wieder ein Erwachter, da muss doch irgendwo ein Nest sein...".
Ich glaube, wir leben gerade in einer Phase des Ausverkaufs der Spiritualität, mit allen Symptomen, ohne zu erkennen, dass es nur um eines geht: Authentizität.
Osho hat mal gesagt, "egal, welchen Weg Du gehst, sei authentisch, dann bringt er Dich zum Ziel", oder so ähnlich, aber sinngemäss stimmts.
Also, ein hoch auf die Authentizität, lassen wir all die Masken fallen und besinnen wir uns darauf, was wir wirklich sind.
Rainer
Wenn so viele erwachen wollen, so wie man Essen macht oder Wäsche wäscht, ist auch immer ein Angebot für die Nachfrage. Hast Du lange meditiert, ist da schon ein schein- erwachter Therapeut, der Dir erklärt, dass Du gar nicht meditieren sollst, sondern bloß immer auf Deine Ängste schauen. Dass das gar nichts Neues ist, und das eine das andere ja gar nicht ausschließen muss, vergisst man dann vielleicht auch mal gern, um wieder ein wenig in der Illusion zu leben, jetzt aber endlich "das Richtige" zu tun.
Entdeckst Du, dass es eigentlich nur ein einziges Ich in mannigfaltiger Form gibt, ist da wieder ein schein- erwachter Therapeut, der Dir als ein "Wir" unterjubelt, was eigentlich nur Deine eigene Bewusstheit in transzendenten Zuständen ist, wenn Du zur Seite trittst.
Und eigentlich sind wir ja auch alle erwacht, haben wir alle schon mal irgendwo gehört.
So gesehen ist die ganze bewusste oder unbewusste Etikettenfälschung der Scheinerwachten ja auch gar keine.
Ich hab das Gefühl, dass dabei ganz gern vergessen wird, dass WIR gar nicht erwachen können. Wir sind erst erwacht, wenn wir nicht mehr sind. Das können wir vielleicht vorbereiten, aber nicht "tun", nicht herbgeiführen.
Es geht gar nicht darum, Neues zu lernen, Kenntnisse zu erwerben, auch nicht um die Rückbesinnung auf spirituelle Traditionen, nur um Dein Erinnern...
LG
sirajan
Da mir das Thema als wichtig erscheint, jetzt nochmal ein wenig Plauderei aus meinem Nähkästchen:

Ich habe Jahre damit zugebracht, mit sehr viel Einsatz Yoga zu praktizieren und habe mich während dieser Zeit sehr stark mit entsprechender Yoga-Praxis, der zugehörigen Theorie und der Gemeinschaft der Yogis identifiziert. Ohne es zu merken, hatte ich ein enormes spirituelles Ego entwickelt, wähnte mich aber auf dem Pfad des Wachstums. Obwohl ich oft bei Yoga-Festivals, -Ausbildungen usw. das starke Gefühl hatte, es sowohl bei den Praktizierenden als auch bei den Lehrenden z.T. mit besonders unangenehmen Egos zu tun zu haben, gelang es mir erst durch die hilfreiche therapeutische Unterstützung von Satyam S. Kathrein, hinter die Schleier zu blicken. Es kostete mich einiges an innerem Kampf, die mittlerweile recht starken Verkrustungen des Yoga-Egos wieder rauszuschmeissen, um mich von dem Unsinn zu befreien.
Ich glaube, dass all die so liebevoll, weise und berührend anmutenden "Scheinerwachten" einem zwar entsprechende Energien vermitteln können, dass für ein wirkliches Erwachen aber innere Auseinandersetzungen ausgefochten werden müssen, die z.T. sehr schmerzhaft sein können.

Ich zitiere nocheinmal Osho:

"Das "Ich" an sich ist Abwesenheit von Liebe. "Ich" heißt Mangel an Liebe. Und je mehr du diese Stimme deines Ich stärkst, desto weniger wirst du Liebe in dir finden können. Je mehr Ego, desto weniger Liebe. Und wenn das Ego total ist, stirbt die Liebe total. Es kann keine Liebe in euch geben, denn wenn ihr in euch geht, werdet ihr dort nur den Widerhall der Stimme eures Ich hören können, rund um die Uhr. Ihr atmet mit diesem Ich, ihr trinkt Wasser mit diesem Ich, ihr geht mit diesem Ich in die Kirche. Was gibt es denn sonst noch in eurem Leben außer diesem Ich?

Eure Kleider sind die Kleider eures Ich, eure Stellung ist die Stellung eures Ich, euer Wissen ist das Wissen eures Ich, eure spirituelle Praxis, eure guten Werke sind die guten Werke eures Ich, euer Ein und Alles, ja sogar eure Meditation ist noch die Meditation eures Ich. Mit geschwellter Brust sagt ihr euch: "Ich bin jemand, der meditiert! Ich bin kein Alltagsmensch, ich bin kein gewöhnlicher Mensch, ich bin ein Meditierer! Ich bin ein Helfer! Ich weiß eine Menge! Ich bin reich! Ich bin dies, ich bin das..."

In das Haus, das ihr um dieses Ich her errichtet habt, kann niemals die Liebe einziehen. Und dann wird auch niemals die Musik, die das Herz bis zur innersten Mitte führen könnte, die es die Wahrheiten des Lebens lehren könnte, erklingen. Wird sich diese Tür nicht auftun, wird sie immer verschlossen bleiben.

Euch muß ein für allemal klar werden, wie stark euer Ego ist, wie tief es geht. Und ihr müßt klar unterscheiden, ob ihr ihm noch mehr Kraft geben, ob ihr es noch mehr vertiefen, ob ihr es von Tag zu Tag nur noch stärker machen wollt." (Zitat Ende)

Ich glaube, da das Ego so ungemein stark ist und einem auf jede erdenkliche Weise (über Gedanken, Gefühle, was auch immer) ein X für ein U vormachen kann, muss es mit aller zur Verfügung stehenden Energie aufgedeckt, markiert und verbrannt werden, um dann, wenn Schicht für Schicht der Unbewusstheit entrissen und losgelassen wurde, zu sehen, was übrig bleibt, das wahre Sein.

Rainer
Hallo Rainer
Wie schon oben gesagt: WIR kömnen eigentlich gar nicht erwachen, solange es uns noch gibt.
Denn WIR, unsere Egos oder Persönlichkeiten, sind selbst das Hindernis zum Erwachen.
Wenn Du Osho zitierst mit: "Was gibt es denn sonst noch in eurem Leben außer diesem Ich?" sagt dies nach meinem Verständnis genau das: Wir selbst sind unser Ego. Und jede überlegte oder geplante Aktion tut das Ego.
Wenn WIR also unser Ego "verbrennen" sollen (welch eine aggressive, lieblose und gestörte Idee) läuft das wohl auf eine Art von psychischer "Selbstverbrennung" hinaus. Es gibt sicher liebevollere und erfolgsversprechendere Arten der Transzendenz.
Du zitierst selbst die Lieblosigkeit, Täuschung und Hinterlistigkeit des Ego.
Deine Antwort darauf ist Aktionismus und Kampf, zu dem WIR angeblich bereit sein müssen: Krieg dem Ego, Schlagen WIR es mit seinen eigenen Mitteln- wenn man Herrn Kathrein oder dem Therapeuten- Guru folgen möchte, auf den Du Dich hier berufst (Mit Osho hat das wohl nichts zu tun. -Und ist dem Ego das eigentlich angenehm oder unangenehm, wenn es seine Methoden anwenden kann?)
Die Therapeuten geben UNS eine große Aufgabe, WIR haben so eine Menge zu tun.
Welch eine wundervolle Fügung für unser Ego. Hat es das nicht schon immer gesagt?
Lassen Wir uns also von Therapeuten schubsen. Rennen WIR noch etwas länger und schneller um den heißen Brei herum. Leben? Hingabe? Nein, nicht jetzt. Wir müssen erst uns selbst besiegen.
Meinem Empfinden nach gibt es nur einen einzigen und ganz und gar gegensätzlichen Weg: WIR müssen nichts tun, sondern WIR dürfen endlich AUFHÖREN. That´s it. Aber nur meine kleine, ganz und gar unerleuchtete Ansicht.
LG
sirajan
Hallo Sirajan,

noch ein Zitat:

"Was weißt du?
Im Ernst. Was weißt du mit absoluter Sicherheit?
Laß einen Moment lang sämtliche Meinungen, Glaubensinhalte und Theorien beiseite und beschäftige dich mit dieser einen simplen Frage: Was weißt du ganz sicher? Oder wie Thoreau es ausdrückte:

Wir wollen uns niedersetzen und arbeiten und durch den Schlamm und Kot der Meinungen, der Vorurteile, der Traditionen, der Täuschung und des Scheines, der Anschwemmung, welche die Erdkugel bedeckt... durch die Kirche und Staat, durch Poesie, Philosophie und Religion hindurch unsere Füße wetzen und reiben, bis wir auf harten Boden und Felsen an einen Ort gelangen, den wir Wirklichkeit nennen und von dem wir sagen können:
„Das ist, das ist kein Irrtum.“ Und nun beginne dein Werk...

Mit anderen Worten: Machen wir Schluss mit dem Blödsinn, und versuchen wir herauszufinden, was wir mit Sicherheit wissen. Das Cogito tut genau dasselbe, und es ist sehr einfach. Die Frage lautet: Was weißt du?
Die Antwort lautet: „Ich bin.“
Alle anderen so genannten Tatsachen sind in Wahrheit Nichttatsachen und gehören in die Kategorie der konsensuellen Realität und relativen Wahrheit, d.h. der unrealen Realität und der unrealen Wahrheit.
Cogito ergo sum ist die Gleichung, die die Tatsache beweist. Doch bevor wir weitergehen, fragen wir uns erst, was wir noch wissen. Was läßt sich sonst noch mit Sicherheit sagen?
Nichts. Es gibt nichts anderes, das wir wissen. Und das ist der eigentliche Punkt des Cogito. Die Bedeutung des Ich-Bin gründet nicht darauf, daß es eine Tatsache ist, sondern daß es die einzige Tatsache ist.
„Ich bin“ ist alles, was irgendjemand je gewußt hat oder jemals wissen wird. Alles andere, alle Religion, Philosophie und Wissenschaft, kann niemals mehr sein als Traumdeutung.
Es gibt keine Tatsache außer „Ich bin“.
Das Cogito ist die Saat des Gedankens, der das Universum zerstört. Jenseits des Cogito gibt es nichts, was man weiß. Jenseits des Cogito kann es nichts geben, was man weiß. Außer „Ich bin“ weiß niemand irgendwas. Kein Mensch oder Gott kann für sich beanspruchen, daß er mehr weiß. Weder Gott noch irgendwelche Götter können existieren – nicht mal in der Vorstellung -, die mehr wissen als diese eine Sache: „Ich bin“.

Das Cogito ist nicht einfach nur ein Gedanke oder eine Idee, es ist ein egofressendes Virus, der – sofern es uns gelingt, unsere Abwehrmechanismen abzubauen – zu guter Letzt alle Illusion verschlingen wird. Sobald wird das Cogito kennen, können wir systematisch damit beginnen, alles, von dem wir meinen, es zu wissen, zum Nichtwissen zu machen, sowie das Selbst, von dem wir meinen, es zu sein, nach und nach aufzulösen. Bis es sich von innen nach außen gefressen hat, kann es Jahre dauern.
Das Leben ist nur ein Traum. So etwas wie eine objektive Realität gibt es nicht. Die Zwei läßt sich nicht beweisen. Von nichts kann bewiesen werden, daß es existiert. Raum und Zeit, Liebe und Haß, Gut und Böse, Ursache und Wirkung, all das sind nur Ideen. Wenn jemand sagt, er wisse alles, sagt er damit in Wirklichkeit, daß er das einzige nicht weiß. Etwas anderes als „Ich bin“ zur Wahrheit zu erklären ist ein Eingeständnis von Unwissenheit.
Die bedeutendsten religiösen und philosophischen Gedanken und Ideen der Menschheitsgeschichte enthalten nicht mehr Wahrheit als das Geblöke von Schafen. Die besten Bücher sind für uns nicht verbindlicher als das beste Frühstücksfleisch.
Niemand weiß irgendwas.
Widerlege es auf eigene Faust. Jeder, der den Wunsch hat, diese Aussage über die Bedeutung des Cogito zu bestreiten, braucht nur zu beweisen, daß etwas, irgendetwas, wahr ist. Was soll´s, versuche es wenigstens, zermartere dir das Hirn darüber, aber es wird dir nicht gelingen. Das Cogito ist wie ein Molotow-Cocktail, den wir als Brandsatz auf den eigenen Geist werfen können, geschützt durch das Wissen, daß die Wahrheit nicht brennt. Damit jedoch ist die Reise zum Erwachen nicht vorbei.
Damit fängt sie erst an." - Jed McKenna

Rainer
Hallo Rainer, dat is ja höchst interessant .
Da werde ich gern mit einem Auszug aus McKenna noch einen drauf geben.

"Wie ist es möglich, daß nur so wenige in der Lage sind,
das einzige zu finden, das nie verlorengehen kann? Wie kriegen
wir das erstaunliche Kunststück hin zu sehen, was nicht ist, und
nicht zu sehen, was ist? Aufgrund welches spezifischen Mechanismus
gelingt es der Täuschung, diejenigen, die sich von ihr zu
befreien streben, dennoch fest im Griff zu behalten?
Wer bin ich?
Den Menschen genügt es normalerweise zu glauben, das Universum
sei ein Mysterium, die Bedeutung des Lebens unergründlich,
und damit hat es sich, doch jemand, der nach Antworten auf
die größeren Fragen sucht, läßt sich nicht so leicht abspeisen.
Was ich entdeckte, war: Unsere Unwissenheit ist uns nicht auferlegt,
sie ist freiwillig und sogar selbstverschuldet. Nichts wird
verborgen oder von uns ferngehalten, die Wahrheit ist nicht von
Natur aus mysteriös, und es gibt auch keine Verschwörung, die
dafür sorgt, daß wir unwissend bleiben. Es gibt jedoch einen ganz
realen Prozeß, einen Täuschungsmechanismus, der in jedem von
uns am Werk ist. Der Name, den ich diesem Täuschungsmechanismus
gebe, stammt aus dem Hinduismus und lautet Maya. Maya,
das sollte nicht vergessen werden, ist keine wirkliche Erzgottheit,
die uns von oben ausbremst. Maya ist in uns, ist Teil von uns und
hat uns völlig in der Gewalt. Maya ist die Angst, die uns in einem
solchen Ausmaß durchdringt, daß wir nicht wissen, daß sie hier ist.
Maya ist das organisierende Prinzip emotionaler Energie in dem
auf Angst gründenden Abgetrennten Zustand, und Maya ist von
Natur aus mysteriös.

„Kognitive Dissonanz ist ein aus der Psychologie stammender
Begriff zur Bezeichnung des Unbehagens, das wir verspüren,
wenn unsere Gedanken und Glaubensinhalte miteinander in Konflikt
geraten.“


Ich möchte mich nicht auf eine Lehrbuchdefinition von Kognitiver
Dissonanz beschränken, also taufen wir sie um in Spirituelle
Dissonanz und frischen ihre Definition auf. Spirituelle Dissonanz
ist das, was geschieht, wenn unsere innere Welt auf unsere äußere
Welt trifft, wenn das, was wir für wahr halten, mit dem zusammenprallt,
was als wahr erscheint, wenn innerer Glaube mit äußerer
Realität kollidiert. Es ist das Unbehagen, das entsteht, wenn Selbst
und Nicht-Selbst in Kontakt geraten.
In diesem schmalen Streifen verbringen wir unser ganzes Leben, wobei wir
uns weder allzu tief nach unten graben noch unsere oberen Grenzen
ausloten. In ihn investieren wir all unsere emotionale Energie,
pumpen sie in diesen Spalt zwischen zwei inkompatiblen Oberflächen
hinein und verhindern dadurch, daß sie sich aneinander
reiben und uns aus unserem Schlummer rütteln können. Auf
ähnliche Weise suchen wir nach Abhilfe, wenn wir das Unbehagen
der Spirituellen Dissonanz verspüren .
Spirituelle Dissonanz ist eine nützliche und unverzichtbare
Funktion des Menschseins. Sie zeigt auf, wie wir funktionieren.

Ein einfaches Beispiel für Spirituelle Dissonanz wäre: Wenn Gott
uns liebt, warum läßt er dann all das Leid zu? Die Gewißheit von
Gottes Liebe ist der innere Glaubensinhalt. Die Offenkundigkeit
menschlichen Leidens ist die äußere Realität. Ist Gott unfähig, dem
Leiden ein Ende zu setzen?
Nein, müssen wir antworten, denn er kann tun, was immer er will.
Deshalb muß er das Leiden zulassen oder sogar verursachen.
Aber wie kann das geschehen, wenn er uns liebt?
Irgendwas muß hier irgendwo über die Klinge springen,
oder, noch besser, wir weichen der Frage von vornherein aus.
Eine Ad-hoc-Hypothese ist die eine Möglichkeit, mit kniffligen
Problemen wie diesem zu verfahren. Wir lassen uns einen neuen
Glaubensinhalt einfallen und stopfen ihn in die Lücke zwischen
zwei bereits existierenden Glaubensinhalten, so, als würden wir
einen Spalt in der Mauer unserer Gefängniszelle zustopfen, durch
den ein unbehaglicher Lichtschein zu uns dringt, der uns in unserer
Ruhe stört. Eine solche Hypothese könnte in dieser Situation
lauten: Weil Gott uns liebt, gab er uns einen freien Willen, und
indem wir uns seiner bedienen, erzeugen wir selbst unser Leiden.
Das ist wie ein Glaubens-Patch. Wir entdecken einen Fehler in unserem
Glaubensprogramm, also installieren wir einen Glaubens-
Patch, und alles ist gut. Die Mauern, die uns umgeben, bestehen
aus Glauben, also ist ein Glaubens-Patch vermutlich das richtige
und wird sich als ebenso dauerhaft erweisen wie die Mauer selbst,
falls wir nicht daran herummanipulieren.

Eine weitere Möglichkeit, dieses Problem anzugehen, besteht
darin, uns selbst die Fähigkeit zu solch wichtigen Überlegungen
pauschal abzuerkennen. „Die Wege des Herrn sind unergründlich“,
können wir sagen und damit Friede, Freude, Eierkuchen. Auf ähnliche
Weise können wir unserem Unbehagen beikommen, indem
wir die Sache Spezialisten überlassen.
Oder wir verdoppeln unsere emotionale Investition in Gott und
tun logische Unstimmigkeiten einfach mit hochnäsiger Verachtung
oder spöttischer Geringschätzung ab.
Oder womöglich die beste und gängigste Möglichkeit:
Wir begeben uns auf die Schiene „Unwissenheit ist ein Segen“.
Wir können die Frage von vornherein ignorieren, wir können sie von uns weisen oder
einfach beschäftigt und abgelenkt bleiben, damit diese und zahllose
ähnliche Fragen in unserem Bewußtsein niemals Fuß fassen können.
Oder beliebig viele ähnliche Szenarien. Hauptsache, das Unbehagen
kommt zum Stillstand, so als würde man aus einem schrillenden
Rauchmelder einfach die Batterie entfernen und zurück ins Bett gehen.
Inzwischen wütet irgendwo ein Brand.
Die Intelligenz ist der Emotion untergeordnet, weit
untergeordnet. Selbst unsere größten Denker tun selten mehr, als
ihre Glaubensinhalte zu rechtfertigen und rational zu begründen.
Aus diesem Grund versuche ich den Leuten einzuschärfen, daß
wahres Denken nicht das ist, was sie dafür halten. Wahres Denken
ist unweigerlich destruktiv und schmerzbringend. Es führt aufgrund
von Abtragung und Schmelzprozessen zu einer Verkleinerung
der Pufferzone zwischen diesen beiden rauhen Oberflächen.
Wie bei einer Maschine, die ungeölt heißläuft, wird die Reibungskraft
immer größer und führt zu einem verheerenden Betriebsausfall.
Normalerweise reagieren wir auf die geringste Abtragung
hochsensibel und nehmen falls nötig Mikrokorrekturen vor, doch
es ist möglich, jenen selbsttätigen Prozeß außer Kraft zu setzen.
Wir können uns den Weg aus dem falschen Selbst heraus freidenken,
statt uns hineinzuglauben.“
Nun kann all jene Energie, die du darauf vergeudet hattest, deine abgetrennte Ego-
Identität zu erschaffen und zu erhalten, neuen und interessanteren
Zwecken zugeführt werden. Eine völlig andere Art von Sein, von
Wissen, von Wahrnehmung.
Vermutlich hast du dich noch nie der Vorstellung hingegeben,
daß Denken die Realität formt, daß Gedanken Dinge sind und Dinge
nur Gedanken. Noch schwerer ist es, die Verbindung zwischen
Geist und allem zu begreifen oder noch weiter zu gehen und zu
erkennen, daß es von vornherein zwischen Geist und allem keine
Trennung gibt.
Wir erweisen uns einen schrecklichen Bärendienst,
wenn wir versuchen, auf unsere Lebensumstände positiv,
optimistisch und gut gelaunt zu reagieren. Was wir jetzt sind,
als was wir uns selbst begreifen, hat auch bei sehr optimistischer
Einschätzung mit dem, was wir wirklich sind, nicht die geringste
Ähnlichkeit
Die hingebungsvollsten religiösen und spirituellen Menschen
– diejenigen, die ihre Koordinaten neu bestimmen und ihr Leben
umkrempeln, um nach spirituellem Wachstum zu streben, oder die
sich selbst umgestalten, um religiösen Idealen zu genügen – wären
für den Typus von spiritueller Wiedergeburt, den ich beschreibe,
scheinbar die geeignetsten Kandidaten, doch sie sind ausnahmslos
diejenigen, die sich am wirksamsten dagegen abgeschirmt haben.
Selbst die ergebensten spirituellen Anwärter sind nur selten mehr
als Amateure und Liebhaber, die in ihren spirituellen Praktiken
und Idealen so aufgehen wie andere in ihren Modelleisenbahnen
oder Handarbeiten. Die aufrichtigsten Sucher sind es, die am sichersten
verloren bleiben – das ist die wahre Dynamik, die bei
der spirituellen Suche am Werk ist. Sie suchen nicht nach der
Wahrheit oder nach Antworten, sie suchen nach Erlösung von
der Spirituellen Dissonanz. Diese Erlösung bereitzustellen ist das
Lebenselixier des religiösen und spirituellen Marktplatzes. Es hat
nichts mit Wahrheit oder Erwachen zu tun. Es ist sogar das genaue
Gegenteil. Letzten Endes ist der spirituelle Marktplatz, all seiner
heiligen Ansprüche beraubt, wirklich nichts als ein existentieller
Laden für Gleitmittel, und mag es dort auch eine endlose Vielfalt
an Verpackungen geben, so gibt es dennoch nur ein Produkt.
Doch die Konsonanz, nach der sie suchen,
läßt sich nur in tiefer Bewußtlosigkeit finden, und Täuschung.
Es gibt so etwas wie echte Spirituelle Dissonanz, ein integrierter, natürlicher
und überaus erstrebenswerter Zustand, doch Besinnlichkeit
und stille Heiterkeit hat noch nie jemanden dort hingebracht.
Wie ist es möglich, daß nur so wenige in der Lage sind, das einzige
zu finden, das nie verlorengehen kann? Es ist nicht einfach.
Es fordert alles von uns, was wir haben, doch es ist das eine, worin
der Mensch sich wirklich hervortut, die wir alle außergewöhnlich gut hinkriegen,
und erst, wenn du ihrer ledig geworden bist, kannst du zurückblicken und erkennen, welch
ein Wunder der Bewußtseins-Ingenieurwissenschaft die Selbsttäuschung
wirklich ist."

-McKenna-

Liebe Grüße, Andreas

PS. und noch einer: „Ich finde nicht, daß es wahr sein muß, es muß
nur gegen das Jucken helfen.“
* Zitate:
------------
"...Etwas anderes als „Ich bin“ zur Wahrheit zu erklären ist ein Eingeständnis von Unwissenheit.
...
Das Cogito ist wie ein Molotow-Cocktail, den wir als Brandsatz auf den eigenen Geist werfen können..."


--------------------------------------------
Zum Text von Rainer oben:
---------------------------------------------
Oh je... Also, Cogito heißt leider nicht "Ich bin", sondern "Ich denke". Dann kann ich den Text aber nicht verstehen. Wozu versucht man gelehrter zu wirken als man ist? Cogito ergo sum = Ich denke also bin ich.

Davon abgesehen: Wieso sollte das "Ich bin" irgendwas zerstören? Diese Ansicht kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

Unser Denken erschafft die Illusion des Universums einschließlich unseres Körpers...
Das lässt sich mit etwas Beobachtung durchaus auch aus unserer relativen Sicht andeutungsweise "wissen".

Die Erinnerung an unser "Ich bin" ist die Erinnerung an unser wirkliches Sein, die ich oben schon ansprach.

Aber weiter nichts. Dass das irgendwas zerstört kann ich nicht sehen.
Es korrigiert wohl höchstens illusionäre Glaubenssätze.

Dazu bietet es die Chance zu einem weitaus schöpferischen Denken im Bewusstsein unserer schöpferischen Kraft, wiederverbunden mit unserer Quelle und im Bewusstsein der illusionären Natur dessen, was wir zuvor für die harte, unveränderliche Wirklichkeit hielten.

So können wir nun versuchen weniger leidvolle Illusionen zu erschaffen.

Das "Ich bin" aber, ist alles was je sein kann. Unveränderlich, ohne Zeit und Bewegung. Darauf dreidimensionale Vorgänge wie Zerstörung zu projizieren, halte ich für fehlgeleitet.
LG
sirajan
Wie wärs denn mit amo ergo sum - ich liebe also bin ich - - Ist Das Wahr ?
( Eine integrative Philosophie der Liebe, als Buch von Ch.Kessler)
Wünsche eine gute Nacht, Andreas
Liebe Diskussionsteilnehmer,

der Sinn meines ursprünglichen Diskussionsbeitrags liegt für mich darin, in gegenseitigem Respekt Meinungen, Ansichten, Erkenntnisse, Erfahrungen und Visionen auszutauschen, um sich gegenseitig im Wachstum zu bestärken und zu unterstützen.
Ich habe jedoch den starken Eindruck, daß Teilnehmer sich in recht häufig in persönlicher Selbstdarstellung und Hahnen-und-Hennen-Kämpfen der spirituellen Egos verlieren.
Daher zitiere ich alle, die sich berufen fühlen, vor das "Hohe Gericht" bestehend aus Thomas Hübl, Christian Mayer und Leander von Kraft (Eckhart Tolle-Gruppe), d.h. schaut doch mal in die entsprechenden Gruppen nach der Diskussion "Selbsterkenntnis im Spiegel des Diskussionsverhaltens vs. Hahnen-/Hennenkämpfe nach dem Motto „Bin ICH jetzt weiter fortgeschritten oder Du?“ – zum Diskussionsverhalten im Weltinnenraum".

Ich freue mich über rege Teilnahme, Ralf
also um ehrlich zu sein wirkt diese sich entwickelnde diskussion auf mich lärmend lähmend
und darunter eigentlich enttäuschung und darunter die senhnsucht nach stille und frieden
und dafür scheint es gut zu sein
danke
Hallo Ralf,

Danke für den Hinweis, sehe ich auch so, wer hats mehr drauf, wer schreibt die längeren oder besseren Zitate ab... das alte Spiel, immer in neuem Gewand...

Rainer

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