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»Aufwachen und Therapie – 4 Thesen« - ein aktueller Text, den mir Christian als Beitrag für die Community gemailt hat.
4 spannende Thesen, zum Austausch hier in der Gruppe und in unserem nächsten LiveVideoChat am Mittwoch ( 9.9.09 – ab 20 Uhr) mit Christian Meyer. (HA)


Aufwachen und Therapie
Vieles gibt es zu diesem Thema zu sagen, das ja auch schon auch eine lange Geschichte hat. In den zwanziger Jahren begannen Psychologen wie C.G. Jung und später Assagnioli eine spirituelle Perspektive in die psychotherapeutische Arbeit zu bringen. In den vierziger und fünfziger Jahren gab es in den USA Konferenzen zum Thema Psychoanalyse und Zen-Buddhismus, Krishnamurti hielt Vorträge an psychotherapeutischen Instituten, die bekannte Psychoanalytikerin Karen Horney hatte die Absicht, die Übereinstimmung ihrer psychoanalytischen Arbeit mit dem Zenbuddhismus aufzuzeigen, eine Absicht, die sie wegen ihres Todes dann nicht mehr realisieren konnte. In den sechziger Jahren blühte die humanistische Psychotherapie auf. Nicht nur an ihrem zentralen Ort, dem Esalen-Institut in Kalifornien, wurde über Buddhismus und Zenbuddhismus, Gestalttherapie und Encounter-Gruppen nachgedacht und experimentiert - Abraham Maslow, Fritz Perls und viele andere sind da zu nennen. Neben dem Buddhismus waren es auch verschiedene Richtungen des Yoga, die Einfluss in der Therapieszene bekamen. In den siebziger Jahren schließlich gab es in Poona durch Osho einen grundlegenden Versuch, westliche Psychotherapie, Meditation und den östlichen Weg der Befreiung zusammenzubringen. All diese vielen Erfahrungen können wir nutzen.
In dem westlichen therapeutischen Bereich gab es immer wieder das Problem, dass die grundlegende Transformation des Aufwachens oder der Erleuchtung nicht in ihrer Tiefe und Radikalität erfasst wurde. So glaubte man oft, wenn die anerzogene Fassade wegfallen würde, dann würde sich der wahre Kern des Menschen zeigen und dies stellte man sich als identisch mit Erleuchtung vor. Ein anderes grundlegendes Missverständnis: auch in der humanistischen Therapie war das Prinzip des Hier und Jetzt zentral; aber man glaubte, es würde ausreichen, mit allen Sinnen im Hier und Jetzt zu sein, Hören, Sehen, Spüren Tasten und das Fühlen. Man glaubte sich damit in Übereinstimmung mit der spirituellen Gegenwärtigkeit; in spiritueller Hinsicht aber wird Gegenwärtigkeit gesucht, die gerade über all die Sinne weit hinausgeht: In der Tiefe, durch die Dunkelheit hindurch, jenseits aller sinnlichen Wahrnehmung erst eröffnet sich die Erfahrung der Unendlichkeit, des Friedens, der Grenzenlosigkeit und auch der Glückseligkeit.

Somit möchte ich vier Thesen nennen:

1. Aufwachen geschieht ganz ohne Therapie
Auf dem Weg zum Aufwachen entdeckst du, dass keinerlei Veränderung nötig ist. Alles ist so, wie es ist. Du brauchst nicht nur nichts zu verändern, sondern du hörst radikal auf, irgendetwas ändern oder anders haben zu wollen. Alles darf so sein wie es ist. Genau so wie es ist.
Bei Ramana Maharshi zeigt sich dies darin, dass er sagt: Du kannst das Karma nicht verändern, du kannst es nicht auflösen, du kannst es nicht weg bringen. Aufwachen geschieht dadurch, dass du aus der karmischen Verstrickung aussteigst, indem du anhältst und still wirst.

2. Aufwachen geht unvorstellbar weit über all das hinaus, was im therapeutischen Rahmen angestrebt wird und möglich ist.
Viele Menschen profitieren durch therapeutische Arbeit. Gute Therapie kann Leid verringern, es kann sich mehr Selbstvertrauen entwickeln, die selbstzerstörerischen Gedanken und Verhaltensweisen können abnehmen, der Mensch kann mehr zu seiner inneren Lebendigkeit finden und die Fassade und Enge können zurückgehen.
Aber Therapie kann nie wirkliche innere Freiheit bringen. Die Erfüllung und das Glücklich-sein geschieht nicht über die Persönlichkeitsveränderung, sondern durch das Aufwachen, in dem das die Vorstellung des Ichs und seine Begrenzung beendet wird.

3. Verschiedene therapeutische Methoden können den Weg zum Aufwachen erleichtern.
Viele therapeutische Wege bestehen darin, die Identität des Ichs, seine Geschichte und seine Bedürfnisse zu stärken. Dies steht dem Aufwachen geradewegs im Wege. Andererseits gibt es viele Wege in der Körpertherapie, in der Gestalttherapie, in der Trancearbeit, beim Familienstellen oder auch in der Psychoanalyse, die das Aufwachen fördern oder erleichtern können.
Ein zentrales Beispiel: In allen spirituellen Wegen steht die Forderung im Zentrum, das anzunehmen, was jetzt gerade ist. Das bedeutet in erster Linie, die Gefühle anzunehmen so wie sie jetzt auftauchen. Wenn aber der Atem blockiert ist, wenn die Muskeln des Körpers blockiert sind, wenn die innere Wahrnehmungsfähigkeit nicht entwickelt ist oder die Fähigkeit, bei einem Gefühl längere Zeit zu bleiben ohne sich ablenken und hin und her ziehen zu lassen, dann wird es nichts aus dem guten Vorsatz, das Gefühl so anzunehmen wie es ist. Hier helfen Körpertherapie und andere Wege. Hierbei hilft im übrigen nicht oder kaum Yoga, Felgenkreisarbeit oder Ähnliches: dabei werden nicht wirklich die emotionalen Blockaden gelöst, im Gegenteil, diese Methoden können sogar dazu führen, dass Gefühle besser verdrängt werden und der Atem zwar regelmäßig aber gerade nicht spontan fließt.

4. Auch neben dem Aufwachen und über das Aufwachen hinaus können verschiedene psychotherapeutische Methoden helfen, Persönlichkeits-Themen zu bearbeiten.
Durch das Aufwachen selbst verändert sich alles grundlegend. Dennoch können verschiedene Probleme bleiben. Sie sind nicht unbedingt für das Aufwachen störend, aber es kann schön sein, auch diese persönlichkeitsbezogenen Themen zu bearbeiten.
Ein Beispiel: Vielleicht ist jemand aufgewacht, hat aber nach dem Aufwachen weiterhin dieselbe Arbeitsstörung wie vorher, kann vielleicht ein Studium nicht zum Abschluss bringen und die Prüfungen bewältigen. Vielleicht verändert es sich durch das Aufwachen von alleine; aber das muss nicht so sein. Natürlich würde es das Aufwachen nicht stören, wenn dieser Mensch das Studium nie zu Ende bringen würde. Aber warum sollte er nicht mithilfe psychotherapeutischer Wege auch daran arbeiten, sein Studium bewältigen zu können?

Es ist gut, über diese grundlegenden kurz gefassten Thesen weiter und tiefer nach - zudenken.

»Aufwachen und Therapie - 4 Thesen«
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Tags: aufwachen, erleuchtung, innehalten, meyer, psychotherapie, spiritualität, stille, therapie

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Antworten zu dieser Diskussion

danke, ich wußte das alles schon, aber jetzt weiß ich es viel tiefer und das bedeutet mir unendlich viel, danke
marietta
Hallo,
es wird zwar etwas beschrieben, was das Aufwachen nicht ist, hilfreich zur Beurteilung der Thesen wäre allerdings, was denn unter "Aufwachen" eigentlich verstanden wird.
Ich meine, dass erst einmal ein gewisser Konsens darüber vorliegen sollte, bevor man über Wege(oder Nicht-Wege) dazu sich austauscht.

Werner
vielen Dank für den differenzierten Beitrag! Willigis Jäger hat einmal geschrieben, dass man zuerst ein Ich haben muss, um es loslassen zu können, um nicht im Meer zu ertrinken, Ohne diese Kraft wird man von den Energien, jenseits des Verstehens hinausgeschleudert und verliert sich in dem Größeren. Das habe ich in meiner Arbeit in einer ganzheitlich orientierten Klinik gesehen. Es gab viele Menschen, die sich verirrt haben, nachdem sie einen spritituellen Weg gegangen sind, weil sie es innerlich nicht halten konnten. Das nennt sich dann spriituelle Krise.
Erwachen ist erfahrbar und es ereignet sich jenseits von unserem Wollen, mann kann es nicht machen, doch die Voraussetzungen dafür schaffen, so gut es eben geht.
Danke brigi für dieses Statement .
Auch meine Erfahrungen gehen in die selbe Richtung. Zu oft wird die Spiritualität , die ja zu eine Art Konsumgut geworden quasi "Privatisiert" . Pseudospirituelle Angebote richten sich viel zu oft auf dieFrage der Bewältigung von Problemen , die besser bei ernsthaften Psychotherapeuten aufgehoben wären . Vorallem die Angebote aus der New Age - Ecke halte ich für besonders gefährlich , da sie meißtens Spirituelles zur Methode verunstalten um es in brauchbaren Packten konsumierbar zu machen . Das Ende vom Lied ist jede menge Verwirrung , die leider auch zu echten psychischen Krisen führen kann , oder das Gegenteil davon . Es wird die Ich-Bezogenheit gestärkt , die zu einem sehr narzistischen Lebensweise führen kann ( Was die Menge an sg Erwachten Lehrern erklären könnte ).
Ich halte das Erwachen für verhältnissmäßig Bedeutungslos , als die Kunst einen authentischen spirituellen Weg zu gehen um Befreiung zu erlangen .Dabei Hingabe zu leben ist weniger attraktiv als sein Erwachen zu einer narzistischen Show werden zu lassen . Leider glauben viele neue Gurus ihrer Erwachten Show mehr ( und mystifizieren den spirituellen Trip ) und wollen gleich die Welt auch aus ihrem Schlafe befreien , als zu lehren , das Erwachen "nichts mit dir" zu tun hat. Das Rad des Lebens ist tatsächlich nicht beendet , weil man erwacht ist . Genau das unterscheidet authentische Spiritualität von den vielen spitituellen Materialisten in der Eso-Szene .Der Fokus sollte also nicht auf der Frage liegen was Erwachen ist ( und wie man am besten Erwacht ) , sondern was eine authetische spirituelle Praxis ist und wie man sie lebt ( und damit meine ich nicht tägliches 20 minütiges Meditieren um besondere Fähigkeiten zu entwickeln ) .



Lieber Christian, Deine wunderbaren Worte möchte ich um eine Kleinigkeit berreichern, durch die Traumatisierung wird der Mensch gespalten in Seelensein und egoisches Sein. Dieser Mechanismus hilft dem Kleinkind zu überleben. Im Heute sollte ich erkennen das meine Prägung im Zusammenhang steht mit der Entwicklung meiner Seele die ich mir als Seele für dieses Leben vorstelle. Opfer/Täter Haltung ist die Tat die eine Seite in mir verübt und mein Seelensein versucht diese Kraft in Transformation umzuleiten. Wer dies nicht wahrhaben will findet sich in der Eso-Ecke der Wünsche vergeblich, wird von psychsomatischen Dingen geplagt oder versucht PaPa/Mama/lieben Gott über Verweigerung in die Knie zu zwingen oder versucht sich in der Nervenheilanstalt.
Nur die Tiefenarbeit rund ums Ego/Schmerzkörper/verletztes inneres Kind vermag das Wachstum in die Einheit - authentisches Sein.
LG Frank
Erstaunlich dabei ist, dass mit dem Argument nicht beizukommen ist, dass es ja kaum so sein könne, dass man alle seine Regungen bejaht. Denn warum sollte das für einen Pädophilen dann nicht gelten bzw. wo liegt dann das Kriterium der Unterscheidung zwischen destruktiven und konstruktiven Regungen? Darauf wird oft geantwortet, das sei ja wohl was ganz Anderes. Warum?

Thomas
Hallo Thomas,

es geht aber doch nicht darum seine Regungen zu bejahen oder zu verneinen. Es macht keinen Sinn eine solche Entscheidung zu treffen. Sie sind nun mal da, das ist die Realität. Dazu gehören auch entsprechende Gefühle, vielleicht oder wahrscheinlich gleichzeitig das Bedürfnis diese abzulehnen. Es geht nach meinem Verständnis darum all dies fühlend wahrzunehmen.Und dann ist es egal ob wir von Pädophilen oder Depressiven sprechen, denn es geht nicht um das Tun oder Nichttun, sondern lediglich um das wahrnehmen aller Gefühle, Gedanken usw. Ansonsten bin ich schnell wieder bei der Verdrängung.
Aber es ist weder Verdrängung noch Ausleben, sondern ein "in sich sein lassen" ohne Tun!

LG Susanne
Thomas sagte:
Hallo Susanne,
Aber die Frage an dich: Wodurch wird entschieden, ob ich ein Bedürfnis ausagiere oder nicht? Meine Auffassung dazu ist, dass es durch das Beobachten selbst entschieden wird - durch Beobachten tritt eine Art von natürlicher Kompetenz auf, die in einem Augenblick und intuitiv über Handeln und Nichthandeln entscheidet. Das Überwältigtwerden von einem Bedürfnis ist eigentlich der Faktor, der chaotische Konsequenzen nach sich zieht und Überwältigtwerden heißt: Nicht beobachten, nicht Zeuge zu sein.


Hallo Thomas,

ah, verstehe. Sehr interessante Frage, die ich nicht beantworten kann. Ich beobachte meine Impulse und Reaktionen und stelle bisher fest:
- es fällt mir leichter bei sehr energetischen Impulsen mal auszuhalten und die Gefühle, wie Christian es nennt: zu verbrennen. Dies führe ich darauf zurück, das ich schon die Erfahrung gemacht habe, dass das Verbrennen von Lust oder Wut bspw. ein sehr angenehmens vitales und entspanntes Empfinden zurückläßt. Diese angenehme Erfahrung hilft mir dem Impuls standzuhalten, natürlich in Erwartung einer "Belohnung" muss ich gestehen
- versuche ich dem Impuls standzuhalten bei Appetit nicht zum Schrank zu gehen und entsprechend das zu holen und zu essen worauf ich gerade ausgerichtet bin, funktioniert das zB nicht so gut. Vielmehr findet in mir ein Dialog statt, der hin und herargumentiert und oft zu dem Ergebnis kommt, das Verzicht ja auch irgendwie lebensfeindlich ist und das Schokolade da ist um sie zu genießen. Das unerfüllte Verlangen drängt und zieht und ist richtig unangenehm und letztlich "gewinnt" der Gedanke, der zur Impulserfüllung drängt. Nun ist es durchaus so, dass ich den Vorgang, so meine ich recht genau beobachte, was aber das Verhalten nicht unbedingt beeinflusst. Es sei denn es stimmt, dass Schokolade schlicht wartet von mir genossen zu werden :-)

LG Susanne
Aber die Frage an dich: Wodurch wird entschieden, ob ich ein Bedürfnis ausagiere oder nicht? Meine Auffassung dazu ist, dass es durch das Beobachten selbst entschieden wird - durch Beobachten tritt eine Art von natürlicher Kompetenz auf, die in einem Augenblick und intuitiv über Handeln und Nichthandeln entscheidet. Das Überwältigtwerden von einem Bedürfnis ist eigentlich der Faktor, der chaotische Konsequenzen nach sich zieht und Überwältigtwerden heißt: Nicht beobachten, nicht Zeuge zu sein.



Hallo Thomas,

deine Frage beschäftigt mich immer noch. Ich kann an mir selbst beobachten, dass mit zunehmender Präsenz (was ja ein beobachten der inneren und äußeren Vorgänge ist) meine Wirksamkeit in meinem Beruf massiv gewachsen ist. Ich bin Pädagogin. Ich stelle fest, dass je mehr ich DA bin sich die Dinge aus sich selbst heraus entfalten. Ich bekomme viel mit, mehr Details als früher und daraus entstehen bei mir ganz neue Arten zu reagieren, neue Ideen. Dies geschieht konzentriert und doch mit Leichtigkeit. Es steckt also keine besondere Anstrengung oder Ehrgeiz dahinter. Es fühlt sich an wie Entfaltung im wahrsten Sinne des Wortes. Aus dem Moment wächst etwas.
Das würde deine These unterstützen.
Bei hartnäckigen Gewohnheiten und Süchten ist der Weg aber so eingefahren, dass es mir so erscheint das die Leichtigkeit fehlt dem Gewohnten nicht nachzukommen. Das macht es scheinbar so schwierig. Die Vorstellung das etwas ungewohnt und falsch ist wenn man dem Impuls nicht nachkommt und die Idee das dies schwierig und unangenehm ist, machens dann noch schwieriger. Hier würde ich es als wesentliches Element betrachten bereit zu sein Unanehmlichkeiten auszuhalten. Die Idee das angenehme zu Suchen und das Unangenehme zu meiden scheint mir hier der Auslöser zu sein ständig seinen Konditionierungen zu folgen. Sicherlich ist auch hier eine genaue Beobachtung dessen erforderlich was gerade los ist, aber die Bereitschaft Unbequemlichkeit zu ertragen erscheint mir hier noch wichtiger.

Lieben Gruß
Susanne

Lieber Harald,

Ich will hier mal meine Haltung zu einer der Thesen äußern, auch wenn es eine Außenseiter-Position ist und vielleicht einen Konsenz dieser Gruppe sprengt. Würde mich über eine rege Diskussion freuen.

1. Aufwachen geschieht ganz ohne Therapie
Auf dem Weg zum Aufwachen entdeckst du, dass keinerlei Veränderung nötig ist. Alles ist so, wie es ist. Du brauchst nicht nur nichts zu verändern, sondern du hörst radikal auf, irgendetwas ändern oder anders haben zu wollen. Alles darf so sein wie es ist. Genau so wie es ist.

Natürlich: Um in die Dimension des puren Da-Seins zu entspannen, um in dieser Dimension zu sein, braucht es keine Veränderung. Auch nicht fürs Aufwachen im Sinne von Erkennen, dass ich in dieser Dimension präsent bin. Schön und gut.

Aber ist das alles, um was es im Leben geht? Das Leben ist nicht nur diese "leere" und "stille" Präsenz. Es ist auch verändern wollen, sich auf andere Menschen einlassen, Stellung beziehen. Nur dadurch können die in uns angelegten Kräfte ihr volles Potenzial entwickeln. Unbeteiligt zuschauen ist da nicht genug.

Und ja, in der Dimension des puren Seins liegt Frieden, Eins-Sein, Ewigkeit, Glückseligkeit oder welche Begriffe man dem speziellen "Geschmack" der Formlosigkeit geben will. Und unsere Sehnsucht nach Wohlgefühl, Lebensfreude und Glückseligkeit kann sich darauf richten, wenn wir Berichte von "Erleuchteten" lesen.

Nur: Ein Großteil dieser Sehnsucht ist ungelebtes Potenzial, sich im Körper, mit allen Gefühlen, mitten im Leben wohl zu fühlen. Dies ist für mich der eigentliche Sinn der Lebensreise: Lernen dieses Potenzial voll zu verwirklichen. Der Sinn der Reise ist nicht nur zu erinnern, wo ich herkomme. Dafür müsste ich gar nicht erst aufbrechen. Wenn ich erinnere, wo ich herkomme ist das nur eine bessere Bedingung, um die Reise nicht schlafend zu verpassen. Es geht aber weiterhin darum, die Essenz dessen, woher ich komme im Leben auszudrücken: durch mehr Würdigung alles Lebendigen, durch mehr Liebe in den Begegnungen,
mehr Wahrhaftigkeit in der Kommunikation ...

Um das Potenzial des bedingungslosen Wohlgefühls im Körper zu verwirklichen und die gerade genannten Qualitäten entwickeln zu können, ist die richtige Art von "Therapie" nötig. Eine Therapie, die uns von der Notwendigkeit, Gefühle zu unterdrücken restlos befreit. Ohne diese Befreiung ist das Enstpannen ins pure Dasein, das Aufwachen, oder wie man es nennen will, entweder sehr schwierig oder nur sehr dünnwändig. Einfach deswegen, weil wir solange wir die Unterdrückung unserer Gefühle nicht beenden eine Kontrollinstanz brauchen, die die Unterdrückung aufrecht erhält.

Mein Potenzial an Liebesfähgikeit, Kreativität, Sinn für Verbundenheit und anderen Qualitäten wächst nur dadurch, dass ich es in Beziehung setze zu dem was ich vorfinde. Und das schließt ein Verändernwollen aller Zustände ein, die diesem Potenzial nicht enstprechen.

Aufwachen ist nicht genug! Lebendig-Sein bedeutet auch im Körper sein, Stellung beziehen, verändern wollen, alle Gefühle genießen lernen. Weil wir in einer Anti-Gefühls Kultur leben, braucht es dazu auch Therapie.

 

Soweit erst einmal meine Gedanken dazu.

alles Liebe,

Demian

Lieber Demian,

Du schreibst: "Aber ist das alles, um was es im Leben geht?"

Ja das ist alles, wenn man erkennt, dass das Leben in der Dualität nicht das wahre Leben ist und man aufwachen will, oder wie auch immer man das nennt. Ich nenne es Rückkehr zum Ursprung, andere nennen es Eingehen in die göttliche Einheit. Da gäbe es noch viele Ausdrücke.

Wenn man sich  für das Leben in der Wahrheit, für das Göttliche entscheidet, kann man nicht gleichzeitig in der Dualität, im Ungöttlichen leben. Das sind zwei verschiedene Bereiche. Wenn Du über einen Fluss ans andere Ufer übersetzen willst, kannst Du ja auch nicht sagen. "Ach hier ist es ja auch so schön, da bleibe ich auch noch ein wenig." Da musst Du Dich  schon für eine Seite entscheiden.

Ein Potenzial an Liebesfähigkeit, Kreativität, Sinn für Verbundenheit und andere Qualitäten brauchst Du im Göttlichen nicht mehr, denn da bist Du in der Quelle selbst, und da ist alles in Fülle vorhanden.

Wenn Du aber nicht erwachen willst und Dich noch in der dualen Welt entfalten willst, ist sicher eine gute Therapie nützlich um leichter und ungehinderter Erfahrungen zu sammeln.

Herzliche Grüße

Anita

Liebe Anita,

Du schreibst: "Wenn man sich  für das Leben in der Wahrheit, für das Göttliche entscheidet, kann man nicht gleichzeitig in der Dualität, im Ungöttlichen leben."

Meinst Du Dualitäten wie männlich-weiblich, innen-und-außen, wie sie in der natürlichen Welt vorkommen? In der natürlichen Welt, die der manifeste Aspekt des Göttlichen ist?

Wie kann der manifeste Aspekt des Göttlichen ungöttlich sein? Warum sich auf den unmanifesten Aspekt des Göttlichen begrenzen, wenn es das Göttliche selbst nicht tut? Wenn das Göttliche für Dich allumfassend ist, umfasst es auch seinen manifesten Aspekt, die natürliche Welt.

Wer nur den unmanifesten Aspekt des Göttlichen (allumfassendes Bewusstsein etc) leben will, hat für das tatsächliche Leben das Göttliche verneint. Wer nur zur Quelle zurückfinden will, bevor es an der Zeit ist, kommt nie im Ozean an.

Alles Gute, Demian

 

P.S:

Ist schwierig, das in einem Kommentar ausreichend klar zu machen. Mehr dazu hier:
http://www.persoenlichkeitsentwicklung4u.com/wer-bin-ich-oder-wie-o...

Lieber Demian,

die Geschichte vom Ozean ist wirklich schön.

Du schreibst: " Wer nur zur Quelle zurückfinden will, bevor es an der Zeit ist, kommt nie im Ozean an."    

Ja genau darauf kommt es an, wann die Zeit gekommen ist zurückzukehren. Die Frage ist, wann ist es so weit? Wenn man ein Drängen und Streben in sich fühlt, ist es meiner Meinung so weit. Und wieso sollte man dieses Drängen zum Stoppen bringen und seine Zeit mit Therapien verschwenden? Sollte man sich nicht lieber auf die Quelle konzentrieren, anstatt sich mit Aktivitäten über das notwendige Maß hinaus in der natürlichen Welt aufhalten? Therapien sind ja hauptsächlich dazu da, um sich das Leben hier angenehmer und schöner zu machen und das Leben in der Dualität noch mehr auszukosten. Sicherlich hilft eine Therapie auch sich Dinge bewußt zu machen, die man verdrängt hat. Aber meistens schließt sich dann nach so einer Selbsterkenntnis irgend eine Methode an, bei der man dann mit dem Erkannten etwas tut. Ich bin aber der Ansicht, dass man dem Göttlichen die Möglichkeit geben soll, in uns zu wirken. Und das geht nur durch das "Nichts tun", also geschehen lassen.

So wie Meister Eckhart so schön sagt:

"Wenn Du nichts hast - also keine eigene Geschichte, keine eigene Identität,

 wenn Du nichts willst - also Dein eigener Wille, Deine eigenen Wünsche verschwunden sind, und

 wenn Du nichts weißt - keine Erwartungen hast, und keine Bilder, keine Bilder von Dir und keine Bilder von Gott-

dann kannst Du in die "Freude des Herrn eingehen (altertümlich für das Aufwachen), noch ehe meine Predigt zu Ende ist"

Alles Liebe

Anita

 

 

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