Tags: aufwachen, erleuchtung, innehalten, meyer, psychotherapie, spiritualität, stille, therapie
Hallo Susanne,
Aber die Frage an dich: Wodurch wird entschieden, ob ich ein Bedürfnis ausagiere oder nicht? Meine Auffassung dazu ist, dass es durch das Beobachten selbst entschieden wird - durch Beobachten tritt eine Art von natürlicher Kompetenz auf, die in einem Augenblick und intuitiv über Handeln und Nichthandeln entscheidet. Das Überwältigtwerden von einem Bedürfnis ist eigentlich der Faktor, der chaotische Konsequenzen nach sich zieht und Überwältigtwerden heißt: Nicht beobachten, nicht Zeuge zu sein.
Hallo Thomas,
ah, verstehe. Sehr interessante Frage, die ich nicht beantworten kann. Ich beobachte meine Impulse und Reaktionen und stelle bisher fest:
- es fällt mir leichter bei sehr energetischen Impulsen mal auszuhalten und die Gefühle, wie Christian es nennt: zu verbrennen. Dies führe ich darauf zurück, das ich schon die Erfahrung gemacht habe, dass das Verbrennen von Lust oder Wut bspw. ein sehr angenehmens vitales und entspanntes Empfinden zurückläßt. Diese angenehme Erfahrung hilft mir dem Impuls standzuhalten, natürlich in Erwartung einer "Belohnung" muss ich gestehen
- versuche ich dem Impuls standzuhalten bei Appetit nicht zum Schrank zu gehen und entsprechend das zu holen und zu essen worauf ich gerade ausgerichtet bin, funktioniert das zB nicht so gut. Vielmehr findet in mir ein Dialog statt, der hin und herargumentiert und oft zu dem Ergebnis kommt, das Verzicht ja auch irgendwie lebensfeindlich ist und das Schokolade da ist um sie zu genießen. Das unerfüllte Verlangen drängt und zieht und ist richtig unangenehm und letztlich "gewinnt" der Gedanke, der zur Impulserfüllung drängt. Nun ist es durchaus so, dass ich den Vorgang, so meine ich recht genau beobachte, was aber das Verhalten nicht unbedingt beeinflusst. Es sei denn es stimmt, dass Schokolade schlicht wartet von mir genossen zu werden :-)
LG Susanne
Lieber Harald,
Ich will hier mal meine Haltung zu einer der Thesen äußern, auch wenn es eine Außenseiter-Position ist und vielleicht einen Konsenz dieser Gruppe sprengt. Würde mich über eine rege Diskussion freuen.
1. Aufwachen geschieht ganz ohne Therapie
Auf dem Weg zum Aufwachen entdeckst du, dass keinerlei Veränderung nötig ist. Alles ist so, wie es ist. Du brauchst nicht nur nichts zu verändern, sondern du hörst radikal auf, irgendetwas ändern oder anders haben zu wollen. Alles darf so sein wie es ist. Genau so wie es ist.
Natürlich: Um in die Dimension des puren Da-Seins zu entspannen, um in dieser Dimension zu sein, braucht es keine Veränderung. Auch nicht fürs Aufwachen im Sinne von Erkennen, dass ich in dieser Dimension präsent bin. Schön und gut.
Aber ist das alles, um was es im Leben geht? Das Leben ist nicht nur diese "leere" und "stille" Präsenz. Es ist auch verändern wollen, sich auf andere Menschen einlassen, Stellung beziehen. Nur dadurch können die in uns angelegten Kräfte ihr volles Potenzial entwickeln. Unbeteiligt zuschauen ist da nicht genug.
Und ja, in der Dimension des puren Seins liegt Frieden, Eins-Sein, Ewigkeit, Glückseligkeit oder welche Begriffe man dem speziellen "Geschmack" der Formlosigkeit geben will. Und unsere Sehnsucht nach Wohlgefühl, Lebensfreude und Glückseligkeit kann sich darauf richten, wenn wir Berichte von "Erleuchteten" lesen.
Nur: Ein Großteil dieser Sehnsucht ist ungelebtes Potenzial, sich im Körper, mit allen Gefühlen, mitten im Leben wohl zu fühlen. Dies ist für mich der eigentliche Sinn der Lebensreise: Lernen dieses Potenzial voll zu verwirklichen. Der Sinn der Reise ist nicht nur zu erinnern, wo ich herkomme. Dafür müsste ich gar nicht erst aufbrechen. Wenn ich erinnere, wo ich herkomme ist das nur eine bessere Bedingung, um die Reise nicht schlafend zu verpassen. Es geht aber weiterhin darum, die Essenz dessen, woher ich komme im Leben auszudrücken: durch mehr Würdigung alles Lebendigen, durch mehr Liebe in den Begegnungen,
mehr Wahrhaftigkeit in der Kommunikation ...
Um das Potenzial des bedingungslosen Wohlgefühls im Körper zu verwirklichen und die gerade genannten Qualitäten entwickeln zu können, ist die richtige Art von "Therapie" nötig. Eine Therapie, die uns von der Notwendigkeit, Gefühle zu unterdrücken restlos befreit. Ohne diese Befreiung ist das Enstpannen ins pure Dasein, das Aufwachen, oder wie man es nennen will, entweder sehr schwierig oder nur sehr dünnwändig. Einfach deswegen, weil wir solange wir die Unterdrückung unserer Gefühle nicht beenden eine Kontrollinstanz brauchen, die die Unterdrückung aufrecht erhält.
Mein Potenzial an Liebesfähgikeit, Kreativität, Sinn für Verbundenheit und anderen Qualitäten wächst nur dadurch, dass ich es in Beziehung setze zu dem was ich vorfinde. Und das schließt ein Verändernwollen aller Zustände ein, die diesem Potenzial nicht enstprechen.
Aufwachen ist nicht genug! Lebendig-Sein bedeutet auch im Körper sein, Stellung beziehen, verändern wollen, alle Gefühle genießen lernen. Weil wir in einer Anti-Gefühls Kultur leben, braucht es dazu auch Therapie.
Soweit erst einmal meine Gedanken dazu.
alles Liebe,
Demian
Lieber Demian,
Du schreibst: "Aber ist das alles, um was es im Leben geht?"
Ja das ist alles, wenn man erkennt, dass das Leben in der Dualität nicht das wahre Leben ist und man aufwachen will, oder wie auch immer man das nennt. Ich nenne es Rückkehr zum Ursprung, andere nennen es Eingehen in die göttliche Einheit. Da gäbe es noch viele Ausdrücke.
Wenn man sich für das Leben in der Wahrheit, für das Göttliche entscheidet, kann man nicht gleichzeitig in der Dualität, im Ungöttlichen leben. Das sind zwei verschiedene Bereiche. Wenn Du über einen Fluss ans andere Ufer übersetzen willst, kannst Du ja auch nicht sagen. "Ach hier ist es ja auch so schön, da bleibe ich auch noch ein wenig." Da musst Du Dich schon für eine Seite entscheiden.
Ein Potenzial an Liebesfähigkeit, Kreativität, Sinn für Verbundenheit und andere Qualitäten brauchst Du im Göttlichen nicht mehr, denn da bist Du in der Quelle selbst, und da ist alles in Fülle vorhanden.
Wenn Du aber nicht erwachen willst und Dich noch in der dualen Welt entfalten willst, ist sicher eine gute Therapie nützlich um leichter und ungehinderter Erfahrungen zu sammeln.
Herzliche Grüße
Anita
Liebe Anita,
Du schreibst: "Wenn man sich für das Leben in der Wahrheit, für das Göttliche entscheidet, kann man nicht gleichzeitig in der Dualität, im Ungöttlichen leben."
Meinst Du Dualitäten wie männlich-weiblich, innen-und-außen, wie sie in der natürlichen Welt vorkommen? In der natürlichen Welt, die der manifeste Aspekt des Göttlichen ist?
Wie kann der manifeste Aspekt des Göttlichen ungöttlich sein? Warum sich auf den unmanifesten Aspekt des Göttlichen begrenzen, wenn es das Göttliche selbst nicht tut? Wenn das Göttliche für Dich allumfassend ist, umfasst es auch seinen manifesten Aspekt, die natürliche Welt.
Wer nur den unmanifesten Aspekt des Göttlichen (allumfassendes Bewusstsein etc) leben will, hat für das tatsächliche Leben das Göttliche verneint. Wer nur zur Quelle zurückfinden will, bevor es an der Zeit ist, kommt nie im Ozean an.
Alles Gute, Demian
P.S:
Ist schwierig, das in einem Kommentar ausreichend klar zu machen. Mehr dazu hier:
http://www.persoenlichkeitsentwicklung4u.com/wer-bin-ich-oder-wie-o...
Lieber Demian,
die Geschichte vom Ozean ist wirklich schön.
Du schreibst: " Wer nur zur Quelle zurückfinden will, bevor es an der Zeit ist, kommt nie im Ozean an."
Ja genau darauf kommt es an, wann die Zeit gekommen ist zurückzukehren. Die Frage ist, wann ist es so weit? Wenn man ein Drängen und Streben in sich fühlt, ist es meiner Meinung so weit. Und wieso sollte man dieses Drängen zum Stoppen bringen und seine Zeit mit Therapien verschwenden? Sollte man sich nicht lieber auf die Quelle konzentrieren, anstatt sich mit Aktivitäten über das notwendige Maß hinaus in der natürlichen Welt aufhalten? Therapien sind ja hauptsächlich dazu da, um sich das Leben hier angenehmer und schöner zu machen und das Leben in der Dualität noch mehr auszukosten. Sicherlich hilft eine Therapie auch sich Dinge bewußt zu machen, die man verdrängt hat. Aber meistens schließt sich dann nach so einer Selbsterkenntnis irgend eine Methode an, bei der man dann mit dem Erkannten etwas tut. Ich bin aber der Ansicht, dass man dem Göttlichen die Möglichkeit geben soll, in uns zu wirken. Und das geht nur durch das "Nichts tun", also geschehen lassen.
So wie Meister Eckhart so schön sagt:
"Wenn Du nichts hast - also keine eigene Geschichte, keine eigene Identität,
wenn Du nichts willst - also Dein eigener Wille, Deine eigenen Wünsche verschwunden sind, und
wenn Du nichts weißt - keine Erwartungen hast, und keine Bilder, keine Bilder von Dir und keine Bilder von Gott-
dann kannst Du in die "Freude des Herrn eingehen (altertümlich für das Aufwachen), noch ehe meine Predigt zu Ende ist"
Alles Liebe
Anita
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