Wahrheit heilt: Ein Interview mit der amerikanischen Bestseller-Autorin Deborah King
Von Dana Heidner-Krueger, Los Angeles

Deborah King ist eine Heilerin und Bestseller-Autorin aus den USA. Am 10. Juni ist ihr Buch “Truth Heals” auch auf dem deutschsprachigen Markt erschienen. Der Titel lautet: “Wahrheit heilt – Was Sie verbergen, kann Sie verletzen“ (Verlag J.Kamphausen). In dem Buch finden Sie, neben schockierenden Preisgebungen aus Kings eigenem Leben, zahlreiche Beispiele von Hollywoodstars, die, sichtbar für die Öffentlichkeit, ihre Probleme vor sich her schieben. Diese Beispiele haben eines gemeinsam – sie sind ein Phänomen unserer Zeit: Wir neigen dazu, Dinge zu verbergen, die uns verletzt haben.King aber schaffte es nicht nur, sich selbst zu helfen, sondern sie fand auch Wege, anderen Menschen dabei zu helfen, diese begrabenen Gefühle zu heilen. Deborah King kommt in Kürze nach Deutschland und Österreich, um Vorträge zu halten und ihr Buch vorzustellen. Ich hatte vor ihrer Abreise Gelegenheit, ein Interview mit ihr zu führen.Dana Heidner-Krueger: Ms. King, Sie sagen, es sei äußerst wichtig, dass wir Menschen die Wahrheit in Bezug auf unsere Gefühle anerkennen – zumindest uns selbst gegenüber. Warum ist das so wichtig?Deborah King: Ich versuche immer, den Leuten zu erklären, dass nicht die Lügen zählen, die wir anderen erzählen, die, sondern die, die wir uns selbst weißmachen. Es ist die bittere Scheidung, die wir angeblich schon längst überwunden haben, oder der Job, mit dem wir uns durchs Leben schleppen und den wir wirklich hassen – aber wir reden uns ein, wir mögen diese Arbeit, denn das ist es ja, was wir gelernt haben. Das sind die Lügen, die wirklich unserer Psyche und unserem Körper schaden, und ich beknie die Leute immer, sich wirklich klarzuwerden, was sie in Bezug auf die Dinge in ihrem Leben fühlen. Es geht nicht darum, diese Dinge von heute auf morgen zu ändern, sondern sie sich einzugestehen. Bewusstsein ist der Schlüssel zu allem.
DHK: Ich mag den Satz in Ihrem Buch: Wenn wir nicht anerkennen, was falsch läuft, erkennen wir auch nicht, was richtig läuft.
Deborah King: Das ist richtig. Da ist wirklich etwas dran.
DHK: Wie kommt es eigentlich dazu? Verlernen wir es, unsere Gefühle anzuerkennen?
Deborah King: Ich denke, niemand sollte sich deswegen Vorwürfe machen – uns wird als Kindern einfach unterschwellig vermittelt, Dinge herunterzuschlucken und einfach weiterzumachen. Auch kulturell gesehen, egal wo wir auf der Welt leben, ist es üblich, nicht wirklich zu verarbeiten, was wir fühlen – wir erdulden es einfach.
DHK: Lassen Sie uns ein bisschen weiter in den Mechanismus eintauchen, den wir offenbar als Kind lernen. Sie haben geschrieben, dass wir als Kind Dinge persönlich nehmen und Scham und Schuld über Sachen empfinden, die wir noch nicht einmal beeinflussen können.
Deborah King: In meiner Arbeit mit tausenden von Menschen ist mir aufgefallen, dass wir dazu neigen, das Schuldgefühl desjenigen Erwachsenen anzunehmen, der uns in eine unliebsame Situation bringt. Vielleicht wird das Kind verhauen oder angebrüllt oder, noch schlimmer, misshandelt, sei es emotionell, körperlich oder sexuell – und das verursacht großes Schuldbewusstsein, denn das Kind schiebt sich stets selbst die Schuld dafür zu.
Es kann auch etwas so einfaches wie die Scheidung der Eltern sein und das Kind glaubt, es sei der Grund dafür.
DHK: In Ihrem Buch schreiben Sie von einer Frau, die es nicht schaffte, jemandem zu vergeben und unter Arterienverkalkung litt.
Deborah King: Ganz genau. Jemandem nicht zu vergeben ist ein Killer und verletzt niemand anderen als uns selbst. Diese unverarbeiteten Gefühle müssen irgendwo landen, und wohin stecken wir die? In unseren Körper. Dazu neigen wir einfach, wir schlucken Dinge hinunter, stecken sie weg. Dies verursacht Blockierungen, Stagnation, und jedes Mal, wenn wir eine Blockierung in unserem Körper haben, öffnen wir einem gesundheitlichen Problem Tür und Tor.
DHK: Okay, Sie sagen “wir müssen vergeben”, aber erreicht man dieses Gefühl, Schritt für Schritt?
Deborah King: Der erste Schritt ist, sich fünf Minuten am Tag Zeit zu nehmen, sich den Laptop oder einen Stift und ein Stück Papier zu schnappen und niederzuschreiben, was man empfindet. Eine der am meisten verbreiteten Emotionen ist Eifersucht, und niemand mag das gerne zugeben, aber es ist wirklich toll, wenn man sich hinsetzen kann und sich selbst eingestehen kann, dass man eifersüchtig auf seine Schwester ist, oder auf seinen Kollegen – egal, wer es gerade ist. Eifersucht in Familien kommt oft vor. Eltern können eifersüchtig auf ihre Kinder sein – das kommt sehr, sehr oft vor und wird nie zugegeben. Man muss diese Gefühle bloß anerkennen, ihnen Raum geben, man muss sie nicht gleich ändern, denn auch hier ist das Bewusstsein darüber entscheidend. Tagebuch führen ist ein einfacher Weg dazu. Es öffnet unser Unterbewusstsein für unbewusste Gefühle – da ist eine Verbindung zwischen unseren Händen und unserer Psyche.
DHK: Ich habe bereits einige Interviews mit Heilern und ganzheitlichen Medizinern geführt, und alle scheinen auf eine einzige Botschaft hinauszulaufen: Die Wichtigkeit, seine Gefühle anzuerkennen. Denken Sie, dass diese Emotionen, die wir verstecken, in Wirklichkeit Kraftpunkte sind und wir mehr persönliche Kraft freisetzen können, wenn wir diese verborgenen Gefühle anpacken?
Deborah King: Ja – wenn wir eine Emotion hegen, die wir nicht verarbeitet haben, nimmt uns dieses Kraft. Eine der empowerndsten Erfahrungen, die ich je gemacht habe, war als ich endlich aufhörte, mich vor den Geschehnissen in meiner Kindheit zu verstecken. Ich wurde als Kind von meinem Vater sexuell missbraucht. Nicht, dass ich das je vergessen habe – ich wollte nur einfach nicht darüber nachdenken. Und dann bekam ich Krebs mit 25 Jahren. Und als ich mir dann wirklich eingestand, was vorgefallen ist, mich mit Vergebung beschäftigte – ohne zu versuchen, das Geschehene in irgendeiner Weise zu rechtfertigen – und es einfach hinter mir ließ, mich weiterbewegte in meinem Leben, fühlte ich mich so empowered. Und dann war ich krebsfrei. Es besteht hier eine große Verbindung zwischen Körper und Geist.
DHK: Sind Ihre Eltern noch am Leben?
Deborah King: Meine Mutter lebt noch.
DHK: Haben Sie es geschafft, beiden zu vergeben?
Deborah King: Das habe ich. Ich habe mich damals sogar dazu entschieden, diese Angelegenheit mit meinen Eltern zu diskutieren. Ich würde das nicht jedem empfehlen, aber für mich war es das Richtige.
DHK: Sie haben es aber geschafft, nicht nur sich selbst, sondern auch anderen Menschen zu helfen…
Deborah King: Durch meine frühere Erfahrung ist es sehr einfach für mich, Missbrauchsfälle energetisch zu klären. Als ich vor 30 Jahren meine Praxis startete, dachte ich, ich hätte ein Schild draußen hängen mit den Worten: “Missbraucht? Hier eintreten, bitte!” Ich hatte so viele Patienten, die missbraucht wurden, dass ich den Eindruck bekam, zwei Drittel der Menschheit sei das passiert. Und das ist statistisch gesehen auch tatsächlich ungefähr richtig.
DHK: In Ihrem Buch erzählen Sie von einer Frau, die von ihrem Mann unterdrückt wurde, der negativ von ihr dachte und Böses gegen sie im Sinn hatte. Sie halfen ihr, ihn loszuwerden und brachten ihr bei, sich zu schützen. Inwiefern ist es Ihrer Meinung nach möglich, von negativen Gedanken anderer beeinflusst zu werden?
Deborah King: Wir können definitiv davon beeinflusst werden. Ich will aber nicht, dass Sie denken, es sei immer der Fehler der anderen Person – dem ist nämlich nicht so. Wir können nur von jemandem beeinflusst werden, wenn wir verletzlich sind – und diese Verletzlichkeit kommt vom Nicht-verarbeiten unseres Zeugs. Wenn wir also an unseren Sachen arbeiten, sind wir den Attacken anderer gegenüber nicht verletzlich.
DHK: Wenn man also an seiner Wahrheit arbeitet, ist man…
Deborah King: …dann ist man stark, unbezwingbar.
DHK: Dennoch, ist es nicht ein zweischneidiges Schwert, zu glauben, man könne von negativen Gedanken anderer beeinflusst werden? Das kann durchaus zu Stress führen.
Deborah King: Ja, aber wissen Sie: Es gibt nicht Einen unter uns, der nicht das Gefühl hat, sich nie ganz von einem Ex-Partner oder einem ehemaligen Chef oder diesem Nachbarn, der einem das Leben zur Hölle gemacht hat, gelöst zu haben. Es geht hier mehr um die Vergangenheit als um die Zukunft, um das Demontieren energetischer Verbindungen, die wir zu anderen formen.
DHK: Das kann ich mir vorstellen. Vor rund 12 Jahren erlebte ich ein Ritual mit einem tibetischen Schamanen. Es hieß “Cutting the Lines of Fate” und mein Leben änderte sich danach komplett. Nicht sofort, aber mit der Zeit entwickelten sich die Umstände in meinem Leben sehr zu meinem Vorteil.
Deborah King: Exzellent. Das hört sich bekannt an. Die tibetischen Techniken haben große Ähnlichkeit mit denen, die ich lehre.
DHK: Wie bleibt man im Leben im Fluss?
Deborah King: Ich würde sagen, indem man klar bleibt. Man muss sich immer fragen, wie man in Bezug auf Dinge, die einem begegnen, empfindet. Man hält damit das Energiesystem des Körpers frei und rein. Man lebt dann ein dynamisches, selbstbestimmtes Leben und wird nicht von der Energie anderer oder von unverarbeiteten Emotionen niedergedrückt.
DHK: Traditionelle Medizin versus alternative Medizin – was ist Ihre Meinung dazu?
Deborah King: Ich arbeite viel mit traditioneller Medizin. Ich ermutige Patienten immer, sich diesen Tests zu unterziehen oder dieser Chemotherapie oder dieser Operation. Ich sage ihnen “Nein, tut mir Leid, das können wir nicht mit einem Kristall heilen.” Nach 25 Jahren, während derer sich dieses Problem zu einem Tumor entwickelt hat, kann man nicht erwarten, dass ich einen Kristall darüber halte und alles wird gut. Wir brauchen jeden im Team: den Chirurgen, den Onkologen und vielleicht den Ernährungsberater und den Psychologen und wer auch immer sich gerade richtig anfühlt.
DHK: Sie halten sehr bald einen Vortag auf einem Ärztekongress in München. Worüber sprechen Sie und ist dieser Vortrag auch für die Öffentlichkeit offen?
Deborah King: Er ist offen für jeden, der Interesse hat und ich spreche über Energiemedizin. Danach toure ich durch verschiedene deutsche Städte.
DHK: Vielen Dank für das Gespräch, Ms. King.
Ende
Hier ist der Link zum neuen Buch von Deborah King "Wahrheit heilt"Im Anhang finden Sie das Interview als PDF-Datei