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Hallo Silence, hallo Thomas,
ich möchte Euch aus eigener Erfahrung absolut beipflichten. Ich bin an E.T.s Bücher gekommen nach einem längeren Leidensweg und intensiver psychotherapeutischer Selbsterfahrung. Ich war seinerzeit quasi reif und empfänglich für die Inhalte seiner Bücher. Rückblickend würde ich sagen, dass mir seine Bücher vor dieser Selbsterfahrung wenig (oder weniger) gebracht hätten, da mir wichtige Erkenntnisse über mich und, wenn ihr so wollt meinen Schmerzkörper, die mir heute sehr hilfreich sind, gefehlt hätten. Ich meine mich aber zu erinnern, dass E. T. das anders sieht. Korrigiert mich bitte, wenn das nicht stimmt. Denn eine Psychotherapie, die sich mit dem Schmerzkörper beschäftigt, nährt diesen und läßt ihn größer werden...oder so ähnlich. Was ich Wolfgang raten würde ist, SEINEN Weg zu gehen. Das er sich hier mit seinem Problem so offen zeigt finde ich ist ein sehr offener und mutiger Schritt und verdient Respekt. Es zeigt, dass er schon unterwegs ist, aber alles hat seine Zeit und ich Wünsche ihm auf seinem Weg alles Gute! Liebe Grüße
Thomas sagte:Hallo Silence,
ich kann nur unterstützen, was du sagst.
Man muss zunächst einmal Stabilität mit seinem Ego erreichen, bevor man anfängt über es hinauswachsen zu wollen.
Osho sagte: Bevor man sein Ego überwinden kann, muss man es erst einmal haben.
Natürlich hat jeder Mensch ein Ego, das meinte er damit nicht. Er meinte, dass man einen Punkt erreichen muss, an dem man sein eigenes Ego als positive Kraft erlebt. Dass man Wünsche hat, Leidenschaften, dass man gerne lebt, sich in die Welt verwickeln lässt. Erst dann kann man es wagen, darüber hinaus zu gehen.
Eine Existenz, die von Schuld, Scham und Angst geprägt ist, erlaubt es nicht, sich spirituell zu entwickeln. Die Fälle, in denen man die Mauer nach unten hin durchstößt, wie es E.T. geschehen ist, sind selten.
Ich kann daher auch nur empfehlen, die Funktionsweise des eigenen Ego in einer Psychotherapie zu erfahren und die Knoten zu lösen, die einen in negativen Gefühlen festhalten.
Daher möchte ich auch Ullrich sagen: verschenke den Tolle nur dann, wenn dein Bekannter eine ausgesprochene Neigung zu spirituellen Themen hat. Besser wäre ein gutes Buch über Depressionen mit praktischen Tipps, das wirklich Mut macht.
Ich konnte erst dann anfangen zu meditieren, als ich durch Psychotherapie meinen neurotischen Geist soweit beruhigt hatte, dass er zur Stille und Selbstbetrachtung fähig war. Diese Stille ist unabdingbar für den spirituellen Weg. Solange der Geist aufgewühlt und ständig mit sich selbst beschäftigt ist, gibt es auch keine Stille.
LG
Thomas
Silence sagte:Hallo Wolfgang,
ich habe sehr wohl Erfahrungen zwar nicht mit Depressionen, aber mit anderen Dingen, u.a. Angstzustände, psychsomatische Atemstörungen... Manchmal musste ich auch zu Psychofarmaka greifen. Die Probleme verfolgen mich praktisch seit Kindheit und ich habe viele "spirituelle" Methoden ausprobiert. Ich bin eine große Anhängerin von Eckhart Tolle und er hat mir einmal wirklich aus der tiefsten Tiefe geholfen. Aber! Die entscheidende Hilfe habe ich ausgerechnet bei der Psychotherapie bekommen. Glaub mir, ich weiß, wovon ich rede. All die spirituellen Methoden sind sicher sehr gut, aber sie verdecken nicht das ganze Spektrum der menschlichen Psyche. Bei den meisten psychischen Störungen ist es NOTWENDIG, zuerst das "ich" zu stärken. Es gibt sogar so einen Ausdruck: "Um Nichts zu werden, muss man zuerst Etwas sein". Leider verstehen das viele Menschen, die bei psychischen Problemen sich mit dem Ego-Auslöschung beschäftigen, nicht. Das ist ein sehr verbreiteter Fehler. Wenn Du es nicht glaubst, lese bitte in der Integralen Theorie von Ken Wilber, da erklärt er ganz gut, warum es so ist. Wir alle haben etwas, was man in der Psychologie "das Schatten" nennt, was uns bewusst nicht zugänglich ist und was man manchmal nur mit Hilfe eines guten Therapeuten aufdecken und heilen kann. MIr hat es geholfen, dass ich parallel die Psychotherapie und die Meditation verwendet habe. Diese Kombination und eine sehr gute Therapeutin war für mich entscheidend. Jetzt kann ich mit zufriedenheit feststellen, das ich viel-viel stabiler geworden bin. Und wenn doch etwas auftritt, kann ich damit alleine und ohne Medikamente fertig werden. Mein großer Tipp für Dich: suche bitte einen guten passenden Psychotherapeuten auf. Was für eine Art der Psychotherapie, muss auch ein Spezialist entscheiden. Und habe keine Zweifel, das es für Dich heilsam ist.
VIel Glück,
S
Lieber Sven,
was Du schreibst verblüfft mich. Bei mir war es nämlich gerade umgekehrt. Ich habe eine biodynamische Körperpsychotherapie nach G. Boyesen gemacht und bin dabei an Grenzen gestoßen. Als ich dann E.T. gelesen habe, hatte ich das Gefühl,die Biodynamik nicht mehr zu brauchen. Ich hatte eher sogar das Gefühl, dass ich in dieser sehr körperbetonten Therapie eher dem Gegenständlichen verhaftet bleibe und mich nicht lösen kann. Was ich an der Biodynamik positiv fand war, dass Du eine Art Achtsamkeits-Training machst und Dich nur auf das was im Körper passiert konzentrierst, also dem Zustand des nicht denkens und der inneren Stille sehr nahe kommst. Da es allerdings bei der Biodynamik auch darum geht, negativ gespeicherte Gefühlsenergie zu mobilisieren und zu löschen, weis ich nicht ob das bei einer echten Psychose so ratsam ist! Da sollte man vielleich doch besser vorher den Rat eines Fachmannes/Fachfrau einholen. Liebe Grüße
presence sagte:Hallo Wolfgang,
also richtige Psychiatrie-Erfahrung habe ich nicht, nur Asperger-Syndrom, das ich gerade in einer Gruppentherapie anschaue. Damit verbunden sind auch depressive Züge bis zum Selbstmord-Wunsch, aber ohne manische Phasen.
Dank Eckhart sind die Depriphasen, wenn nicht schwächer, so doch seltener geworden, und was du beschreibst mit 100% Leidensdruck = 0% Bewusstheit meine ich auch zu kennen. Zwar denke ich am tiefsten Punkt solcher Zustände "das ist jetzt der Schmerzkörper, ich schau ihn an, ich erlaube ihm, Teil dieses Momentes zu sein", aber das ist dann meist nur ein abstraktes, gelerntes Wissen, quasi selbst schon Teil einer gedanklichen Identifikation. Die wirkliche Bewußtheit muß also noch tiefer liegen. Schwierig, daraus keinen Gedanken zu machen, finde ich.
Verschiedene Gesprächstherapien haben nichts bewirkt, sie waren nur mühsam - wieder und wieder die gleichen Fragen, und das Gefühl, daß "darüber reden" einfach nichts hilft, so wenig wie Draufpusten bei einer schweren Verbrennung hilft.
Jetzt bin ich in einer Körpertherapie nach Gerda Boyesen (Biodynamik - ihr Buch heißt: "Über den Körper die Seele heilen", Kösel 1985) und Alexander Lowen. Und ich merke, das ist der Weg! Konsequent in den Körper gehen, alles fühlen DÜRFEN, jede Wut rausschreien,... super. Seitdem hat die Sucht nach Eckharts Worten auch ein bißchen nachgelassen, ich muß mich nicht mehr so an ihn klammern. Der Körper ist mein Lehrer, ich folge ihm einfach, so gut ichs verstehe.
Vielleicht gibt es in deiner Nähe auch einen biodynamischen Therapeuten?
Besten Gruß
Sven
Hallo Wolfgang. Es freut mich das du so offen bist, was ein deutliches Zeichen fürs Bewusstsein ist das spricht.
Ist dir aufgefallen, dass du schreibst: "Ich wollte das ICH/Ego mit „Eckharts Weg” umgehen/schwächen und damit eine noch länger andauernde Aufarbeitung (von Traumata ?) durch Psychotherapeuten vermeiden, die das ICH dann eh nur stärken und damit den unheilsamen Weg verlängern."
Hälst du das Ego eventuell für einen kleinen Feind der in deinem Kopf sitzt? Das habe ich eine gewisse Zeit getan. Aber das Ego ist eine Illusion und damit Nichts reales. Wenn du gegen etwas kämpfst das es nicht gibt erschaffst du es. Bei mir war es so, dass ich mich immer mehr in einen Kampf gegen diesen immaginären Feind hineingesteigert habe.
Fakt ist aber, wenn du die Angst die das Ego, die das Übermaß an Denken in Dir erzeugst bekämpfst, einen Widerstand gegen die negativen Emotionen aufbaust bleiben Sie bestehen, bzw. verschlimmern sich.
Ein Wort hilft und es heißt JA. Wenn du Angst hast... ja dann hast du Angst. Nimm es an. Nimm Alles an was Dich stört, was Dich blockiert und sag Ja dazu. Ich weiß aus eignener Erfahrung das das schwer ist, weil dein Denken sagt: "Aber ich kann doch das was mich stört nicht annehmen", aber mit dem Gefühl schaffst du es.
Ja zu etwas zu sagen heisst es anzunehmen, heisst den jetzigen Moment anzunehmen wie er ist und das bringt Dich ins Jetzt ins Gefühl und in die Freiheit im Inneren.
Wichtig ist das du dir klar machst: "Ich bin nicht was ich denke. Alle meine Gedanken dürfen sein. Meine Angst darf sein.
Wenn du aus dieser Haltung heraus genau in Dich hineinschaust, wirst du mit dem annehmen von dem was sit es nicht bekämpfen und schwächen wie du sagst, sondern du löst es Schritt für Schritt auf. Aber lass dir Zeit dazu, denn nur bei den Wenigsten funktioniert das von Heute auf Morgen so wie bei Eckhart.
Gruß
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