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Sorgenvoll kreisende Gedanken
Herr N. H. aus Stuttgart fragt:
Ich bin ständig besorgt. Das hat in letzter Zeit so zugenommen, dass ich kaum noch schlafen kann. Ständig kreisen die Gedanken darum, wie ich meine Familie (ich bin verheiratet und Vater von zwei Kindern im Alter von 8 und 12 Jahren) gut versorgen kann. Ich bin in einer großen Firma angestellt, muss nun immer mehr arbeiten, um nicht meinen Job zu verlieren. Was soll, was kann ich tun? Gibt es einen Weg, wenigstens diesen dauernden Druck loszuwerden?

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Antworten zu dieser Diskussion


Lieber Herr N.

Ich könnte Ihnen sagen, dass wir uns alle Sorgen um die Zukunft machen, dass Sie mit Ihrem Problem ganz sicher nicht allein sind und dass Sie sich mit anderen Menschen – Ihrer Frau, Freunden, Kollegen, oder auch Selbsthilfegruppen (Internet) austauschen können. Das ist ein nahe liegender Weg, sich den „dauernden Druck“ von der Seele zu reden, den Sie vielleicht auch schon versucht haben. Ich möchte Ihnen allerdings unabhängig davon ein Experiment vorschlagen, wo Sie sich ganz allein mit einigen Fragen befassen. Gehen Sie einmal davon aus, dass Sie mit Ihren Sorgen letztlich tatsächlich allein sind und dass nur Sie selbst die Lösung des Problems finden können.

Sie schreiben: „Das hat sich in letzter Zeit gesteigert“. Seit wann genau? Gab es da einen äußeren Auslöser, irgendein Ereignis, vielleicht eine Bemerkung Ihres Chefs? Was fällt Ihnen dazu ein?
Sie verwenden mehrmals das Wort „ständig“. Überprüfen Sie, ob Sie wirklich ununterbrochen 24 Stunden am Tag von Gedanken der Sorge geplagt werden! Gibt es da nicht auch Momente ohne Sorgen? In welchen Situationen kommen die vor? (Schenken Sie diesen Momenten mehr Aufmerksamkeit!)

Überlegen Sie einmal, ob Ihre Sorge irgendeinen Vorteil oder Nutzen für irgendjemand hat? Nicht, ob sie berechtigt ist, sondern nur, was Ihr Gewinn daraus ist. Bekommen Sie dadurch Freunde? Wird Ihre Frau Sie mehr lieben? Was genau bringt Ihnen diese Sorge? (Sie sollten sich die Vorteile auf einem Blatt notieren)

Gedanken und Tatsachen auseinander halten
Der Stoiker Epiktet sagte: “Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Vorstellung von den Dingen". Sie sind anscheinend in einem Teufelskreis gefangen: Mehr Leistung im Beruf verspricht Sicherheit, bringt aber auch mehr Stress. Mehr Stress verringert oft nicht nur die Leistung, sondern auch die Lebensfreude insgesamt, fördert negative Gedanken, verstärkt die Angst und Sorge. In jedem solchen Teufelskreis, der letztlich nur aus Gedanken besteht, gibt es einen Ausgang, eine Schwachstelle. Die kann ganz logisch-rational ermittelt werden, auch wenn sie vielleicht von Emotionen überlagert ist.
Zum Beispiel: Überprüfen Sie, ob Sie wirklich mehr arbeiten und sich stressen lassen müssen, um Ihren Job zu behalten? Vielleicht ist das nur ein Verdacht, ein Gedanke, der auf Ihrer Angst beruht? Beobachten Sie unter diesem Aspekt immer wieder mal die eigentliche Situation am Arbeitsplatz: Was erwartet Ihr Chef wortwörtlich? Notieren Sie seine Sätze! Da ist vielleicht schon die erste Lücke im Teufelskreis. Er sagt womöglich nicht, was Sie bisher gehört haben! Es gibt mehr Spielraum und weniger Bedrohung, als Sie dachten.

Die radikalere Lösung ist: Steigen Sie aus dem Teufelskreis der Gedanken aus! Es würde uns allen helfen, wenn jeder etwas mehr innere Distanz zu Worten bekäme, seien sie gesprochen oder gedacht. Abstand bedeutet dabei aber gerade nicht: darüber hinweghören, sondern eine offene und klare Hinwendung, so gut wie eben möglich. Viele bedeutende Weisheitslehrer aus Ost und West haben darauf hingewiesen: Gedanken zu verdrängen oder zu bekämpfen hilft nicht. Sie sollten vielmehr in ihrem Auf- und Abtauchen genau registriert und beobachtet, dabei jedoch nicht für „bare Münze“, nicht für „wahr“ gehalten werden. Ihr Problem, wie das fast aller Menschen, ist ja, dass Sie sich in den Gedankenkreislauf verstricken. Doch noch bevor das geschieht, werden die Gedanken einfach zur Kenntnis genommen, ohne persönliche Einmischung. Der Trick ist, bewussten Zugang zu dieser tieferen Ebene zu bekommen.

Ihr
Christian Salvesen

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