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Der verschlossene Teenager
Frau M. K. aus Hamburg fragt:
Ich bin Mutter einer 14-jährigen Tochter. Sie macht mir gegenüber neuerdings völlig zu. Schließt sich in ihrem Zimmer ein, antwortet auf meine Fragen nur genervt oder gar nicht. Ich weiß nicht, ob ich bei Ihnen mit meinem Problem an der richtigen Stelle bin, aber meine bisherigen Anfragen bei Bekannten haben mir nicht geholfen. Wie kann ich meine Tochter erreichen?

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Liebe Frau M.K.
Es geht hier weniger um Rat von anderen. Auch wenn Ihr Ansprechpartner die Mutter einer 14-Jährigen wäre, ihre Worte können nie die Ihrer Tochter sein, und auf die kommt es Ihnen doch wirklich an, oder? Also dann achten Sie auf jedes Wort, jedes Zeichen, jede Mimik von ihr wie auf eine Himmelsbotschaft. Vernehmen Sie da auch nur die leiseste Andeutung eines Wunsches (bestimmte Musik, Blumen, Haustiere), erfüllen Sie ihn möglichst unauffällig.
Versetzen Sie sich in die Zeit, als Sie ein Teenager waren! Erinnern Sie sich? Die Disko, die Schule, die Gesichter, die Stimmung, Ihre Gefühle?

Ihre Tochter ist in einer entscheidenden Lebensphase, wo sie die Liebe auf eine neue Art erlebt: Nicht mehr als behütetes Kind, sondern als eine selbstverantwortliche Frau und Mutter „in Spe“. Das mag noch 20 Jahre dauern, ist aber in dem Alter bereits biologisch potentiell angelegt. Sie lernt zu erkennen, worin sich Liebe zeigt. Das ist biologisch fundiert und zugleich psychologisch sehr vielschichtig. Erinnern Sie sich, wie Sie als Teenager auf jede kleinste Geste der Anerkennung seitens Ihres Idols gewartet haben? Welch eine emotionsgeladene Sensibilität! Alles wird als unecht in Frage gestellt! Verbünden und verbinden sie Sich innerlich stärker mit Ihrer Tochter. Hören Sie die Musik, die sie mag, schauen Sie sich ihre Lieblingsfilme an und versuchen Sie dabei, sich selbst als Teenager wieder zu finden. Aus diesem Wiederfinden werden sich ganz natürlich und spontan Gespräche und ein neues Vertrauen entwickeln.

Sophies Welt
Teenager stellen sich oft grundsätzliche philosophische Fragen, die wir als Erwachsene leider meist vergessen haben, obwohl sie bis zum Tod wichtig sind: Wer bin ich, woher komme ich, wohin gehe ich? Ihre Tochter mag über das Essen maulen, abends länger ausgehen wollen, sich über ihre Kontrolle beschweren, doch hinter all dem könnte ein tiefer Wunsch nach Erkenntnis stecken, den sie noch nicht klar zum Ausdruck bringen kann. Dieser Wunsch berührt auch Ihre eigene Sehnsucht. Zunächst sollten Sie Ihre wahren Fragen in Bezug auf Ihr Leben zulassen und sich philosophisch anregen lassen. Dazu eignet sich sehr gut der Bestseller von Jostein Gaarder: „Sophies Welt“. Denn die Hauptfigur dieses spannenden Romans rund um die Philosophie, Sophie, ist 14 Jahre alt, genau wie Ihre Tochter. Nachdem Sie das Buch gelesen haben, entscheiden Sie selbst, ob Sie es Ihrer Tochter schenken wollen.

Auch wenn es Ihnen vielleicht widerstrebt, fragen Sie Ihre Tochter einfach unvermittelt: „Hast du eine Ahnung, wer du wirklich bist? Ich weiß nicht, wer ich bin, ehrlich! Was meinst du?“ Die erste Reaktion ist wahrscheinlich eher Abwehr. „Was soll das denn, eh?“. Doch nach einiger Zeit könnte sich eine Resonanz zeigen. „Was sollte die Frage?“ Achten Sie genau auf jede Äußerung Ihrer Tochter, die in eine existentielle Richtung zielt! Erwähnt sie das Thema Tod, Gott, Liebe, Angst? Gibt es aus der Schule Aufsatzthemen dazu? Doch wie gesagt: Wenn Sie selbst sich nicht mit den existentiellen Fragen auseinandersetzen, erreichen Sie auch Ihre Tochter nicht wirklich. Ihre Tochter ist Ihr Spiegel!

Ihr
Christian Salvesen

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