Interview mit Philip Carr-Gomm Seit seiner Kindheit beschäftigt sich Philip Carr-Gomm mit dem Druidentum. 1988 übernahm er die Leitung des britischen Ordens der Barden, Vaten und Druiden (OBOD). In Fernkursen können Interessierte sich zum Druiden ausbilden lassen.
Mit VISIONEN sprach der vierfache Vater über Zweifel, Akzeptanz und die Rolle des Druiden in der heutigen Gesellschaft.
-Das Gespräch führte Claudia Hötzendorfer in 2008-
VISIONEN: Sie haben schon sehr früh angefangen, sich intensiv mit dem Druidentum zu beschäftigen. Hatten Sie je Zweifel, ob Sie den richtigen Weg eingeschlagen haben?
Philip: Oh ja – die habe ich ständig. (lacht) Ich bin davon überzeugt, dass der Zweifel wie ein Mechanismus in unserer Psyche ständig existent ist, um uns immer aufnahmebereit zu halten. Damit wir uns nie vor unseren Gedankengängen verschließen. In dem Moment, in dem man diese Zweifel nicht mehr zulässt, beginnt man in seinem Denken starr und dogmatisch zu werden. So wird man sehr schnell zu einem Fundamentalisten und ist überzeugt davon, immer im Recht zu sein. Deshalb finde ich, Zweifel und Ungewissheit sind sehr wichtig. Sie sind eine charakteristische Qualität. Allerdings hat das auch eine Schattenseite. Denn wenn man nur Zweifel hegt, wird das Leben sehr ungemütlich. Deshalb braucht man noch ein weiteres Level, das einem eine Basis vermittelt und mit etwas anderem verbindet. Das macht für mich die Realität von Seele und Geist aus. Ich hoffe, das klingt nicht zu abgedreht. Aber mir ist es sehr wichtig, das anzusprechen – gerade heutzutage, da der Fundamentalismus so weit verbreitet ist.
VISIONEN: Wenn Sie nun auf die fast 40 Jahre zurückschauen, die Sie sich mit dem Druidentum beschäftigen, hat sich Ihre Sicht darauf mit der Zeit verändert?
Philip: Ich kann Ihre Frage am besten auf einem persönlichen Level beantworten. Mit den Jahren interessiert mich die nach innen gerichtete Arbeit mehr als die nach außen gerichtete mit Zeremonien. Vielleicht hängt das auch mit meinem zunehmenden Alter zusammen. Wenn man diesen spirituellen Weg beschreitet, gibt es immer auch die Aufgabe, sich neu zu zentrieren und das Relevante vom Irrelevanten zu trennen. Es gibt einiges, das mit der Zeit einfach an Wichtigkeit verliert. Es gibt Phasen, in denen man sich für das eine mehr als für das andere interessiert. Mit anderen Worten, das was zählt, ist das Essenzielle.
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