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Buch - Christian Meyer Aufwachen

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»Aufwachen« (Einführung aus dem Buch)
Dieses Buch handelt vom Glücklichsein. Nicht von dem flüchtigen und brüchigen Glück, das von den äußeren Umständen abhängt, sondern davon, wie das Glück durch die Reise nach Innen gefunden wird. Das Glück, welches nicht kommt und nicht geht.
Seit Jahrtausenden sind Menschen auf der Suche nach dem diesem inneren Glück, nach dem Einswerden und der heiteren Gelassenheit, die daraus resultiert. Seit nahezu zwei Jahrzehnten wird dieser uralte Menschheitstraum ganz offensichtlich immer häufiger Realität. Es ist egal, ob man es Erleuchtung, Selbst-Verwirklichung, Aufwachen oder das Einswerden mit Gott nennt, es gibt immer mehr Menschen, die diese radikale innere Transformation realisieren, immer mehr aufgewachte Menschen.

Schon in den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es ein ungeheures Interesse an buddhistischen Strömungen, am Yoga oder auch der Lehre Krishnamurtis. In den zwanziger Jahren nahmen an Krishnamurtis vierzehntägigen Sommerseminaren 5000 Menschen teil! Viele Menschen interessierten sich für Spiritualität und die Möglichkeit der inneren Befreiung, aber die tatsächliche Transformation, das tatsächliche Aufwachen blieb eine Seltenheit.

In den siebziger und achtziger Jahren zogen Hunderttausende Menschen in das indische Poona, um Bhagwan, der sich später Osho nannte, zuzuhören.
Aber erst seit Beginn der neunziger Jahre verbreitet sich das Aufwachen als real stattfindende Transformation einzelner Menschen in einer zuvor nicht für möglich gehaltenen Anzahl. Das macht Hoffnung.


Was also ist nötig, um aufzuwachen? (aus »Aufwachen«, S.31 - S.33)

Natürlich das Bewusstsein, dass man es nicht selber tun kann, wie man ein Haus bauen, ein Brot backen oder eine Sprache lernen kann, sondern dass es ein Geschenk ist, eine Gnade. Aber ein Geschenk, eine Gnade, auf die ich nicht einfach, die Hände in den Schoß legend, warten kann, sondern eine Gnade, für die ich mich öffnen kann und für die ich mich so unwiderstehlich machen kann, dass sie gar nicht anders kann, als mich zu erfassen. Dies geschieht, indem ich „anhalte“.

Wenn du nach Innen gehst und du dir dein Leben und deine jetzige Situation anschaust, dann siehst du: Da sind Tausende von Impulsen aus der eigenen Vergangenheit, der Vergangenheit der Familie und der Ahnen, der Gesellschaft und der Geschichte, ebenso aus der Charakterfixierung. All diese Impulse sind in der jetzigen Situation wach und treiben dich dazu, etwas zu tun. Das ist das, was im Osten das Karma genannt wird: Dieses Getriebensein, etwas zu tun, etwas zu wollen, nach etwas zu verlangen und nach etwas zu streben.


Deine Aufgabe ist, anzuhalten! Anzuhalten und zu schauen, was ist. Anzuhalten und zu fühlen, was ist. Anzuhalten! Wie Ramana sagt: „Meine Methode lässt sich in dem einen Satz zusammenfassen: Sei still, halte an!“

Aha, – halte an! Sei still!
Es würde reichen, wenn ich hier sitzen und auf jede Frage und auf alles, was kommt, sagen würde: „Aha, – halte an! Sei still! Beweg dich nicht mehr und schau, was geschieht!“ Das ist alles. Dann kommen die Gefühle hoch, die Schmerzen, die Sehnsucht, die Freude, die Angst, die Verzweiflung – und dann ist die Stille da, die Leere und die Unendlichkeit. Alles kommt hoch, aber du hältst an und bist still.

Diese vielen Impulse der ganzen Menschheitsgeschichte, die sich in dir kristallisiert und manifestiert haben, basieren auf der Grundhaltung: Ich brauche!

Ich brauche andere Menschen, ich brauche Anerkennung und Sicherheit. Der Körper auf der organischen Ebene braucht Nahrung in bestimmten Umfang, Sauerstoff, Licht, bestimmte Wärme und das ist in Ordnung. Wenn sich das Ich und der Geist dieses „ich brauche“ auch zu eigen machen wie: Ich brauche Liebe, ich brauche Anerkennung, ich brauche von der oder dem eine Entschuldigung, ich brauche unbedingt, dass der Vater stolz auf mich ist, dann ist das eine Verrücktheit.

Wenn du gegenüber allen Impulsen still bist und anhältst, dann entdeckst du, dass du vollkommen erfüllt bist, dass du mehr als erfüllt bist, dass du selber die Liebe bist, nach der du suchst. Du entdeckst, dass du einer Fata Morgana gefolgt bist. Das Anhalten, das Still-Sein, basiert auf einer inneren Entschlossenheit und Entschiedenheit, selbst wenn es weh tut.


Die ganzen Gefühle schreien danach, etwas zu tun, um Anerkennung, Liebe, Sicherheit, Lob und Beachtung zu bekommen. Wenn du anhältst, hört das natürlich zunächst nicht auf, es hat ja über hunderttausend Jahre funktioniert und dich angetrieben. Im Gegenteil, wenn du anhältst, hörst du dieses Schreien deutlicher.
Bisher hast du viel davon kanalisiert durch oberflächliche Kontakte und Beziehungen, durch Sprechen, Erzählen, Tun und Ablenken. Alles ist diffus und verdeckt. Es tut nur in bestimmten Momenten weh, dann, wenn es dich aus der Bahn wirft. Wenn du jetzt wirklich anhältst, merkst du, wie dieser Gefühlsorganismus, dieser Körper „haben will“. Du sagst: „Aha!“ und bleibst still. Die Entdeckung, so erfüllt zu sein, dass du gar nichts brauchst, dass alles Brauchen nur eine fixe Idee war, kommt erst ein bisschen später. Das ist ein Teil des Spiels. Der Organismus ist darauf aus, sofort etwas zu bekommen, sofort mehr Eiscreme oder Lob. Hier ist es so: Du musst erst anhalten und später entdeckst du: Oh, das Erfüllt-sein ist ja schon da.

Wirklich anhalten, wirklich still werden!
Wirklich anhalten, wirklich still werden! Wenn da der Gedanke ist: Das Aufwachen ist eine Gnade, ist ein Geschenk, ich kann und brauche gar nichts zu tun, ist das natürlich eine Falle. Wenn du nichts machst, öffnest du den unzähligen Impulsen, die bisher dein ganzes Leben und Verhalten bestimmt und regiert haben, wieder Tür und Tor, denn sie wirken ja weiter. Wenn du nichts machst, wird es noch die nächsten zweihundertfünfzigtausend Jahre so weiter gehen. Du musst erst einmal dafür sorgen, dass du nichts tust. Das bedeutet, anzuhalten und still zu sein, dich tatsächlich nicht zu bewegen.
(Alle Texte © J.Kamphausen, Blfd. 2009)

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